„Das ist mein Herzensprojekt“: Nicole Herlitz bringt Schüler und hochbetagte Menschen zusammen

Nicole Herlitz leitet das Projekt GiG - Getragen in Gemeinschaft. Die Netzwerke zwischen Alt und Jung sollen noch enger werden. (Foto: Ulrike Martin)
Berlin: Johanneskirche Schlachtensee |
von Ulrike Martin


Vor einem Jahr startete die Initiative GiG – getragen im Alter. Die Idee, die dahinter steckt: Die Kirchengemeinden Nikolassee und Schlachtensee wollten hochbetagte Menschen Hilfe anbieten, sie aus der Einsamkeit holen, mit jungen Leuten zusammenbringen. Projektleiterin Nicole Herlitz kann jetzt eine positive Bilanz ziehen.

Los ging es mit einer Taschengeldbörse. Schüler zwischen 14 und 17 Jahren besuchten alte Menschen bei sich zu Hause und boten gegen ein kleines Entgelt von fünf Euro Hilfeleistungen wie Einkaufen oder Spaziergänge. Die Idee kam und kommt gut an, es gibt immer mehr Interessenten auf beiden Seiten.

„Es geht ja nicht nur um Hilfe, es kommen Gespräche zustande. Dabei erfahren die Älteren etwas aus der Welt der Jugendlichen und diese lernen von den Senioren viel über frühere Zeiten“, erzählt Herlitz. Schule sei da immer ein gutes Thema. „Die Jugendlichen staunen darüber, wie wichtig früher eine korrekte Sitzhaltung während des Unterrichts war.“

Bemerkenswert sei, wie viele von den über 80-Jährigen sich für Smartphone und Computer interessierten. „Da kommt es schon einmal vor, dass ein Schüler einer älteren Dame ein Tablet einrichtet. Das ist ein echter Trend“, sagt Herlitz.

Für Nicole Herlitz ist GiG ein Herzensprojekt, für das sie sich voll einsetzt. Sie kümmert sich. „Ich besuche alle Schüler und Senioren, die mitmachen wollen, überlege, wer zu wem passt.“ Sie begleitet die Jung-Alt-Teams auch, fragt nach, ob alles gut läuft. Und das tut es. Das Vertrauen der Älteren, das zu Beginn der Aktion nicht so groß war, wächst. Inzwischen gibt es feste Duos, die sich immer wieder treffen.

Neben der Taschengeldbörse ist ein weiteres Projekt entstanden: Die Dreilinden-Engel für Charlie. „Der Name erinnert natürlich an die TV-Serie und den Film ,Drei Engel für Charlie‘“, erklärt Herlitz, „er sollte nicht langweilig sein.“

Erzählcafé für Alte und Junge

Das Konzept: Jungen und Mädchen des Dreilinden-Gymnasiums beschäftigen sich mit den Herausforderungen des demographischen Wandels. Immerhin ist Steglitz-Zehlendorf der Bezirk mit dem höchsten Durchschnittsalter der Stadt: von rund 300 000 Einwohnern sind etwa 100 000 älter als 65 Jahre.

Die Dreilinden-Engel wollen die Charlies, die Älteren, und ihren Alltag verstehen lernen. So haben sie in einer Projektwoche unter anderem erfahren, wie schwierig es sein kann, mit dem Rollstuhl an eine Supermarktkasse heranzufahren. Oder auch zum Beispiel, wie bedrückend die Einsamkeit oft ist. „Etwas, das einige Schüler aus Syrien überhaupt nicht kannten, dort gibt es funktionierende Familienverbände“, erzählt Herlitz.

Aus der Engel-AG ist ein Erzählcafé entstanden, das fünf Schüler und fünf Charlies organisieren. Alle 14 Tage ist das Café geöffnet, ein Treffpunkt für Junge und Alte. Es gibt Geschichten von früher und Storys von heute, die Schüler lachen über die vor Jahrzehnten übliche Anrede „Gnädiges Fräulein“, die Älteren lernen, dass es aktuell eher „Hey Ische“ heißt. Das nächste Erzälcafé öffnet am Dienstag, 19. Dezember, 15.30 Uhr, im Dreilinden-Gymnasium, Raum 017, Dreilindenstraße 49.

Insgesamt ist Nicole Herlitz „super zufrieden“ mit den bisherigen Aktionen, mit dem Engagement der Schüler und dem wachsenden Interesse der Senioren. Sie hat aber auch noch Wünsche. Die Netzwerke sollen noch enger werden.

Nicht nur Schüler und ganz Alte sollen zusammenkommen, auch die Altersgruppen dazwischen eingebunden werden. „Wir brauchen eine starke Nachbarschaft, die aufeinander aufpasst, eine soziale Kontrolle ausübt.“ Daher sind unter anderem für 2018 bereits vier Nachbarschaftsfeste zum Kennenlernen geplant. Das erste Fest im Sommer 2017 war ein voller Erfolg.
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