Installation dokumentiert NS-Verbrechen in den Bucher Kliniken

Rosemarie Pumb an der Medieninstallation: Sie recherchiert zu den NS-Verbrechen in den Bucher Krankenanstalten. (Foto: BW)

Buch. Die Beteiligung an den Euthanasie-Verbrechen in der NS-Zeit ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Krankenanstalten in Berlin-Buch. Diesem Thema widmet sich eine Medieninstallation, die jetzt Kulturstadtrat Torsten Kühne (CDU) in der Stadtteilbibliothek Buch ihrer Bestimmung übergab.

Diese interaktive Installation trägt den Titel "Methoden der Indoktrination in den Krankenanstalten im Berlin Buch 1933-1945". Initiiert wurde sie von Bürgern, die sich regelmäßig am Runden Tisch Buch treffen. Diesen gelang es, Fördermittel des Bundesfamilienministeriums, Senats und Bezirksamts zu erhalten. Die Medieninstallation besteht im Wesentlichen aus einem Bildschirm mit Touchscreen. An ihm können sich Interessierte über die Geschichte der Bucher Krankenanstalten während der NS-Zeit informieren. Die Installation präsentiert Texte, Originaldokumente, Fotos und Videos der Filmemacherin Alexandra Weltz-Rombach.

Dass diese Medieninstallation in Angriff genommen und mit so viel Material gefüllt werden konnte, ist vor allem der Bucherin Rosemarie Pumb zu verdanken. Diese recherchiert seit vielen Jahren zur Geschichte der Krankenanstalten in der NS-Zeit. Dabei konnte sie nachweisen, dass unsagbar viele Menschen aus den Bucher Krankenhäusern Opfer des NS-Regimes wurden.

Ab 1935 war ein deutlicher Anstieg von Todesfällen zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis Patienten zielgerichtet getötet wurden. 1942 habe der Berliner Magistrat außerdem beschlossen, dass 10 000 Menschen aus den städtischen Kliniken in weit entfernte und oftmals äußerst dürftig ausgestattete Krankenhäuser verlegt werden sollten, berichtet Rosemarie Pumb. "Es ist davon auszugehen, dass im Zuge dieser Maßnahme Tausende Menschen starben. Viele überlebten nicht einmal den Transport", sagt sie.

Zu diesem dunklen Kapitel der Bucher Geschichte veröffentlichte Rosemarie Pumb bereits viele Publikationen. In der Medieninstallation geht die Autorin unter anderem auch der Frage nach, wie es möglich war, dass Ärzte und Pflegepersonal Tausende Patienten in den Tod schicken konnten. Dieses stand schließlich ihrer ethischen Verpflichtung, das Leben zu schützen, entgegen. Noch ist die folgenreiche Verstrickung des Krankenhauspersonals mit dem nationalsozialistischen Regime wenig aufgearbeitet worden. Die Medieninstallation in der Bucher Stadtteilbibliothek soll einen Anstoß dazu geben, sagte Stadtrat Torsten Kühne in seiner Eröffnungsrede.

Zu nutzen ist die Medieninstallation zu den Öffnungszeiten der Bibliothek montags und donnerstags von 13 bis 19 Uhr, dienstags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs und freitags von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter 94 79 49 60.

Bernd Wähner / BW
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