Im Dornröschenschlaf: Initiative will Platz an der Goldammerstraße beleben

Mathias Krebs, Regina Sigmund mit Hündin Ízi und einige ihrer Mitstreiter. (Foto: Schilp)
 
Reizvoller Kontrast: Hier die alte Mühle, dort die Hochhäuser der Gropiusstadt. (Foto: Schilp)
Berlin: Initiative Jungfernmühle |

Sie sind ein rundes Dutzend, und sie treffen sich jeden Mittwochnachmittag zum Plaudern bei Kaffee und Kuchen. Aber nicht nur das: Die „Initiative Jungfernmühle“ will den Platz an der Goldammerstraße zu einem lauschigen Treffpunkt für alle Bewohner der Umgebung machen.

Mathias Krebs ist dort mit seinem Computerladen seit 15 Jahren ansässig. Lange Zeit beobachtete er mit wachsendem Unmut, wie der Platz am Rande der Gropiusstadt in einen immer tieferen Dornröschenschlaf fiel – auch weil einige kleine Geschäfte dichtmachten und Büros an ihre Stelle traten. „Dabei ist das hier ein ungeschliffener Juwel, es gibt so viel Potenzial, das nicht ausgeschöpft wird“, sagt Krebs.

Also beschloss er, etwas zu tun. Er fand Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die seit knapp zwei Jahren das Projekt voranbringen, Schritt für Schritt. Einiges ist bereits geschafft. Unter der Federführung von Anneliese Storch, der Frau mit dem grünen Daumen, wurden Erdbeeren, Gemüsepflanzen, Kräuter und Blumen gepflanzt. Entstehen soll ein Naschgarten. Die vier Pflanztröge werden bald einen Apfel-, Kirsch-, Pflaumen- und einen Birnenbaum beherbergen. „Alte Sorten“, wie Krebs betont.

Er und die anderen setzen auf „Permakultur“ mit natürlicher Düngung, samenfesten Pflanzensorten, Rückzugsorten für Schmetterlinge, Würmer und Vögel und einem Insektenhotel. Demnächst sollen Bienen eine neue Heimat auf dem Dach eines der im holländischen Stil gebauten Häuser finden, die den rund 500 Quadratmeter großen Platz umstehen. Geplant sind außerdem Regentonne, Kompostecke, Kreislaufwirtschaft. „Es soll nicht aussehen wie aus dem Ei gepellt, wir wollen das anders“, so erklärt es Anneliese Storch.

Wichtig ist der Initiative, dass Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Eine stabile Holzbank steht bereits. Sie heißt Paule, eine Paula soll folgen. Auch der Brunnen wird in diesen Tagen wieder sprudeln. Geplant sind  regelmäßige Feste, einige hat es schon gegeben, vielleicht auch Flohmärkte oder eine Pflanzenbörse. „Wir sind kein Verein, sondern offen für alle. Jeder kann bei mir im Laden vorbeikommen und seine Ideen mitteilen, egal wie verrückt sie klingen“, so Krebs. Auch die Treffen seien offen für alle, auch für jene, die einfach nur eine gute Zeit haben und andere Leute kennenlernen wollen. „Bei uns sind tatsächlich schon Freundschaften entstanden.“

Unterstützung vom Bezirksamt gibt es übrigens nicht, denn der Platz ist in privater Hand. Das bedeutet für die Initiative aber auch Freiheit: Die Eigentümer-Gesellschaft steht den Gestaltungsplänen positiv gegenüber.

Ein besonderes Projekt verfolgt Regina Sigmund, die zu dem aktiven Dutzend gehört und jeden Tag mindestens einmal mit ihrer Hündin Ízi eine Pause auf Paule, der Bank, einlegt. Sie will mehr über die Geschichte der 260 Jahre alten Jungfernmühle – der ältesten der Stadt – und des Platzes erfahren. Deshalb plant sie Videointerviews mit Anwohnern, die in ein Buch münden sollen. „Ich möchte wissen, wie sich die Umgebung der Mühle wandelte, wie sie von der Stadt gefressen wurde und fast verlorenging, wie sie restauriert wurde und wie der Platz entstand“, sagt sie. Wer sie unterstützen und mit ihr sprechen möchte, melde sich unter 0177/423 63 63 oder per E-Mail an: Muehlenplatz@web.de.

Wer zu einem Treffen kommen möchte, ist mittwochs von 15 bis 17 Uhr willkommen, bei gutem Wetter direkt auf dem Platz, bei schlechtem bei „Computer im Griff“, Goldammerstraße 34 oder im angrenzenden Backshop. Zwei Stunden vorher ist der Computershop für jeden offen, der sich über die Initiative informieren möchte. Kontakt zu Mathias Krebs und seinen Mitstreitern unter 66 86 81 79 oder info@initiative-jungfernmühle.de. Weitere Informationen unter www.initiative-jungfernmühle.de/.
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