Zustand der Bürgerämter bereitet weiterhin Sorgen

Charlottenburg-Wilmersdorf. Erleichterung für Mitarbeiter - mehr Umstände für Kunden: Seit der Streichung des Sofortkundenangebots in den Bürgerämtern ist das Kernproblem hinter die Kulissen gerückt. Dort kämpfen zu wenige Mitarbeiter mit zu viel Arbeit.

Die Spannungsspitze für das Personal am Schalter, sie ist verschwunden. Aber was besagt es über den Zustand der Bürgerämter, wenn Kunden nur noch mit monatelangem Vorlauf Termine bekommen und allenfalls im Notfall spontan erscheinen dürfen?

In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Bürgerdienste und Personal dankte zunächst der Leiter des Bürgeramts in den Wilmersdorfer Arcaden für die "unendliche Erleichterung", da morgens nicht mehr 500 Kunden zur Nummernvergabe stürmen. Stadträtin Dagmar König (CDU) und Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) stärkten ihm den Rücken und machten nochmals deutlich, dass es zur Abkehr vom Spontankundenservice wegen Personalknappheit keine Alternative gab. "Es galt zu schauen, wie man mit weniger Personal ein Maximum an Service hinbekommt. Dabei sind wir in Schieflage geraten", blickte Naumann zurück. Und König verwies darauf, dass sich zwar seit August das Konzept geändert habe, "aber die Arbeitsmenge bleibt".

Für Kopfschütteln in der Runde sorgte ihr Bericht über eine Unterredung mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), der für eine Erhöhung der Personalmittel Bedingungen nannte. Sie müsse nachweisen, dass die Lücke nicht durch Umschichtung von vorhandenem Personal zu füllen sei, sagte König. In der Praxis gilt das als Ding der Unmöglichkeit. Auch mit erhöhtem Besucherandrang wird man kaum argumentieren können. "Wenn ich nicht mehr Beschäftigte habe, können die Fallzahlen nicht steigen", nennt König die Krux. Die Überlastung von Mitarbeitern führe zu höherem Krankenstand und noch längeren Wartezeiten.

So sprach dann auch Pirat Holger Pabst von einer "Servicewüste". Er hält es für ein Unding, wenn der Staat Ummeldungen binnen zwei Wochen verlangt, dem Bürger aber jede Möglichkeit nimmt, die Vorgabe zu erfüllen. Ohne Umdenken in der Personalpolitik des Senats, so sieht es die BVV, wird in der Wüste keine Oase erblühen.


Thomas Schubert / tsc
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