Abflug nach Tempelhof mit neuem Konzept

Gundula Bavendamm, Direktorin des Alliierten-Museums, rechnet nach dem Einzug in den Flughafen Tempelhof mit mindestens doppelt so vielen Besuchern. (Foto: Amin Akhtar)
Berlin: Alliierten-Museum |

Dahlem. Das Alliierten-Museum soll von der Clayallee in den ehemaligen Flughafen Tempelhof umziehen. Jetzt ist der erste Schritt zur Umsetzung getan: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat 27,1 Millionen Euro bewilligt. Zwar sind derzeit alle Hangars Flüchtlingsunterkünfte, aber der Einzugstermin des Museums ist in frühestens fünf Jahren geplant.

In Hangar 7 und Teilen des Kopfbaus West wird das Alliierten-Museum seine Objekte und Ausstellungen präsentieren. 22 Millionen Euro sind als Bau- und Planungskosten veranschlagt, fünf Millionen für eine neue Dauerausstellung. Die erste Maßnahme wird ein europaweiter Architekturwettbewerb sein.

„Der Flughafen Tempelhof ist ein authentischer Erinnerungsort für die Geschichte des 20. Jahrhunderts und die bestmögliche Heimat für das Alliierten-Museum“, sagt Direktorin Gundula Bavendamm. „Er steht für die Luftbrücke, und damit für die Freiheit und Sicherheit, die die Westmächte West-Berlin im Kalten Krieg garantierten.“

Mit dem Umzug nach Tempelhof sei eine inhaltliche Neukonzeption und eine Weiterentwicklung verbunden, erläutert Bavendamm. „In dem monumentalen NS-Bau verbindet sich die Geschichte der Alliierten nach 1945 mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg.“ Dieser Aspekt soll stärker betont werden. Einerseits wird die neue Dauerausstellung wie bisher die Verdienste der Westmächte für die Befreiung vom Nationalsozialismus und den Wiederaufbau der Demokratie würdigen. Andererseits soll auch die ostdeutsche und sowjetische Perspektive in den Fokus gerückt werden. „Es machte durchaus einen Unterschied, auf welcher Seite der Mauer man den Ost-West-Gegensatz erlebte“, sagt Bavendamm.

Die Dauerausstellung „Wie aus Feinden Freunde wurden“ hätte die Beziehungen zwischen den Alliierten und den Deutschen in mancher Hinsicht verklärt, erläutert die Direktorin. „Künftig werden auch Spannungen, Konflikte und Enttäuschungen des jahrzehntelangen Zusammenlebens in Berlin und an anderen Orten thematisiert.“

Im Hangar 7 wird Platz sein für Exponate, die jetzt auf dem Freigelände des Museums in Dahlem stehen: das britische Transportflugzeug der Luftbrücke und der Waggon eines französischen Militärzugs. Sie werden mit weiteren Großobjekten wie der Kontrollbaracke vom Checkpoint Charlie, einem Helikopter der US-Armee und den Überresten des Berliner Spionagetunnels von 1953 auf einer Fläche rund 2000 Quadratmetern präsentiert. Für die klassische Dauerausstellung stehen 1200 Quadratmeter zur Verfügung, für Sonderausstellungen 400 Quadratmeter. Erstmals wird das Museum auch über Archiv- und Bibliotheksräume verfügen. „In den Kopfbau West könnte der Empfangsbereich gelegt werden“, erklärt Bavendamm „Dort sind auch der Museumshop und das Museumscafé sehr gut vorstellbar.“

An der Clayallee hat das Museum rund 65 000 Besucher jährlich. Mit mehr als doppelt so vielen rechnet Bavendamm im Flughafen Tempelhof – die Lage ist zentral und die U-Bahn vor der Tür.

Das jetzige Museum besteht aus der Nicholson-Bibliothek und dem Kino Outpost. Pläne für eine künftige Nutzung gibt es noch nicht. Für das Outpost könnte sich Gundula Bavendamm eine Nutzung als Programmkino mit internationalen Filmen vorstellen. uma
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