Erneut Knochenreste gefunden

In der Harnackstraße wurden erneut Knochen gefunden. Ob sie menschlichen Ursprungs sind, wird jetzt untersucht. (Foto: Bernd Wannenmacher)
Berlin: Harnackstraße |

Dahlem. In der Harnackstraße gab es erneut Knochenfunde. Nachdem bereits im Sommer 2014 bei Baumaßnahmen menschliche Gebeine zum Vorschein kamen, wurden die Grabungen vor drei Wochen wieder aufgenommen.

Zu klären ist, ob die jetzt entdeckten Fragmente menschlichen Ursprungs sind. „Bei zumindest einem Teil könnte es sich um menschliche Knochenreste handeln, dies müssen wir nun genauer prüfen“, sagte Archäologieprofessorin Sabine Pollock. Sie hat die Grabungsarbeiten geleitet. Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt und der Max-Planck-Gesellschaft will die Freie Universität (FU) Berlin die weiteren Schritte beraten.

Zum Hintergrund: Anfang Juli 2014 fanden Bauarbeiter in der Nähe der Universitätsbibliothek Knochenreste. Sie wurden der Polizei übergeben, die die Gerichtsmedizin mit einem Gutachten beauftragte. Das Ergebnis: Es handelte sich um Knochen von mindestens 15 Personen, die mehrere Jahrzehnte im Erdreich gelegen hatten.

In der Nähe des Fundortes liegt das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, heute Teil des Otto-Suhr-Instituts der FU. Bis 1945 hatte der KZ-Arzt Josef Mengele Leichenteile von Menschen dorthin geschickt, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden. In dem gerichtsmedizinischen Gutachten war nicht abschließend zu klären, ob die Knochen von in Auschwitz ermordeten NS-Opfern stammten. Eine exakte Datierung war nicht möglich.

Ein halbes Jahr nach den Grabungen wurden die Gebeine vom Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin zur Einäscherung an das Krematorium Ruhleben gegeben und auf dem dortigen Friedhof anonym bestattet. Der Vorgang hatte in der Öffentlichkeit zu Kritik geführt, Fragen nach genaueren Untersuchungen waren laut geworden.

FU-Präsident Peter-André Alt räumte im Online-Magazin campus.leben ein, dass die Abstimmung zwischen allen Beteiligten nicht optimal gewesen sei. Jetzt gebe es Überlegungen, nach dem Ende der Bauarbeiten rund um die Universitätsbibliothek am Fundort der Knochen einen Gedenkstein aufzustellen.

Die neuen Funde sollen nicht nur genau untersucht werden, sondern im besten Fall auch Erkenntnisse über die Herkunft der eingeäscherten Knochen liefern, heißt es. uma
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