Die Internetplattform Rollenfang setzt sich für Schauspieler mit Behinderung ein

Max Dominik (Mitte), Schauspieler bei Rollenfang, mit Pate Wolfgang Janßen (rechts) und Jürgen Maier, vertretungsberechtigter Geschäftsführer des Maxim Gorki Theaters.

Berlin. Schauspieler mit Behinderung sind in Film und Fernsehen kaum präsent. Die Online-Plattform Rollenfang möchte das ändern. In ihrer Charta fordert sie unter dem Motto „Wir wollen alle sehen!“ mehr Inklusion in den Medien.

Max Dominik wurde mit Down-Syndrom geboren. Als er eine Rolle in einem Fernsehfilm mit Corinna Harfouch und Matthias Brandt spielte, verspürte er den Wunsch, professioneller Schauspieler zu werden. Doch das war nicht einfach, wie Wolfgang Janßen feststellte, dessen Patenkind Max Dominik ist. „Ich habe gemerkt, dass es in Deutschland im Gegensatz zum Theater keine Initiative gibt, die Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen fördert“, so Janßen.

Gemeinsam mit dem Kultur- und Bildungsmanager Matthias Brettschneider entwickelte der langjährige ehemalige Verwaltungsleiter der Berlinale deshalb die Online-Plattform Rollenfang. „Wir fangen uns unsere Rollen, wenn sie uns keiner anbietet“, habe er sich gedacht, daher der Name. Seit Mai 2015 unterstützt, vertritt und vermittelt die Initiative gefördert von der Aktion Mensch und zusammen mit dem Verbund für Integrative Angebote (VIA) professionelle Schauspieler mit körperlicher oder geistiger Behinderung.

Mit dabei ist neben acht Mitgliedern aus dem Theater RambaZamba auch Carina Kühne, die bereits sehr erfolgreich an der Seite von Bettina Große im Film „Be my baby“ eine junge Frau mit Down-Syndrom gespielt hat, die ein Baby haben möchte. „Es geht um Authentizität und um positive Bilder“, sagt Wolfgang Janßen. Das vielfältige Leben mit behinderten und nicht behinderten Menschen soll auch in den einflussreichen Medien Film und Fernsehen abgebildet werden.

Eigene Potenziale entwickeln

Und in der Charta von Rollenfang heißt es: "Gerade Menschen mit Behinderung bleiben in Film und Fernsehen oft unsichtbar, sind von der Erzählung ihrer eigenen Geschichten ausgeschlossen. Sie finden in den Medien zu wenig positive Rollenbilder, die sie ermutigen, ihre eigenen kreativen, beruflichen oder persönlichen Potenziale zu entwickeln und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilzuhaben."

„Wenn mein Patenkind Max dort jemanden sieht, der Down-Syndrom hat, ist es für ihn toll zu merken, dass er nicht alleine ist,“ sagt Janßen. Das bedeute aber nicht, dass Menschen mit Behinderung nur Menschen mit Behinderung spielen sollten, sondern auch den Koch, den Dieb oder den Agenten. Durch diese anderen Rollenbilder sieht Wolfgang Janßen Menschen mit Behinderung in ihrer individuellen Entwicklung unterstützt und ihre Potenziale sichtbar gemacht.

Profesionelle Ausbildung

Neben der Onlinepräsentation bietet Rollenfang Schauspielern mit Behinderung auch Coachings, Workshops und eine jährliche Summer School in Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg an.

„Den meisten Menschen mit Behinderung wird eine professionelle Ausbildung an einer staatlichen Schauspielschule derzeit noch verwehrt,“ kritisiert Wolfgang Janßen. Das müsse sich langfristig ändern. Die Plattform berät zudem die Film- und Fernsehindustrie bei der Zusammenarbeit mit behinderten Schauspielern. Partner, wie die Künstleragentur Barbarella Entertainment, und prominente Schauspiel-Paten, wie Eva Mattes und Corinna Harfouch, unterstützen das Engagement von Rollenfang.

Zwei Schauspieler der Plattform haben in diesem Jahr für die ARD-Serie „In aller Freundschaft“ gedreht, ein anderer wird in der ZDF-Kriminalreihe „Kommissarin Lukas“ mitspielen. Wolfgang Janßen will erreichen, dass Schauspieler mit Behinderung in der Filmbranche genauso selbstverständlich aktiv werden können, wie alle anderen auch. sr

Weitere Informationen gibt es auf www.rollenfang.de.
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