Seit Anfang Januar über 100 Masernfälle

Friedrichshain-Kreuzberg. Eine nahezu ausgestorbene Krankheit ist in Berlin wieder auf dem Vormarsch: Masern. Besonders betroffen ist Friedrichshain-Kreuzberg.

Hier wurden von Anfang Januar bis Ende Februar mehr als 100 Fälle der sogenannten Roten Flecken diagnostiziert. Dazu kommen rund 30 Patienten bei denen zumindest ein Verdacht besteht. Nur in Neukölln sind die Zahlen ähnlich hoch. Für ganz Berlin wurden etwa 600 Erkrankungen gemeldet. Warum gerade hier die Masern besonders wüten, wird deutlich, wenn man sich eine andere Zahl ansieht. Mit 86 Prozent liegt die Impfquote im Bezirk weit unter dem Berliner (91 Prozent) und erst recht dem Bundesdurchschnitt mit 92,4 Prozent sind. Um überall gegen Masern einigermaßen gewappnet zu sein, wären deutschlandweit mindestens 95 Prozent nötig.

Die starke Impfabstinenz im Bezirk hängt mit der Bevölkerungsstruktur in zusammen. Die gut gebildete Klientel steht der Vorsorge häufig kritisch gegenüber. Dort wird die Meinung vertreten, die Spritze zur Prophylaxe sein gefährlicher, als die Krankheit selbst und Masern ließen sich am besten auf natürlichem Weg bekämpfen. Ansichten, über die Experten den Kopf schütteln. Abgesehen davon, dass durch Impfabstinenz auch andere Menschen in Gefahr gebracht werden. Schon in den vergangenen Jahren hat das Gesundheitsamt im Rahmen seiner Ergebnisse zur Einschulungsuntersuchung immer wieder darauf hingewiesen, dass die niedrige Impfquote irgendwann Probleme bereiten könnte. Zumal die Verweigerer mit Informationskampagnen bisher kaum umgestimmt werden konnten.

Der CDU-Bezirksverordnete Timur Husein verlangt aus aktuellem Anlass weitere Aufklärungsmaßnahmen und formulierte das auch in einem Antrag für die BVV in der Sitzung am 25. Februar. Sein SPD-Kollege John Dahl ging noch weiter und forderte unter Beifall auch der Linksfraktion eine Impfpflicht. So weit will Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) schon wegen rechtlicher Bedenken nicht gehen. Sie setzt, spätestens jetzt, auf Einsicht der bisherigen Impfverweigerer. "Nach dem ersten Todesfall müsste eigentlich jedem die Gefahr bewusst sein."

Lesen Sie dazu auch im Innenteil die Frage der Woche.


Thomas Frey / tf
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