Architekten planen Hotel auf denkmalgeschützten Liesenbrücken

So soll das gläserne Hotel in den denkmalgeschützten Liesenbrücken aussehen. (Foto: Wilk-Salinas Architekten)
Berlin: Liesenbrücken |

Mitte. Auf der seit über 60 Jahre stillgelegten Eisenbahnbrücke über dem Kreisverkehr an der Gartenstraße, Liesenstraße und Scheringstraße könnte Berlins abgefahrenstes Hotel entstehen. Wohnen in – und nicht unter der Brücke.

Zwölf Meter hoch, neun Meter breit und 100 Meter lang. Die vor 120 Jahren gebauten Liesenbrücken sind ein Meisterwerk wilhelminischer Ingenieurskunst. In der genieteten Fachwerkkonstruktion planen die Berliner Architekten Ana Salinas und Gilbert Wilk ein Hotel mit 60 Zimmern. Es soll sich komplett in die gebogene Brückenform einfügen. Die kleinere Bogenbrücke daneben soll öffentlicher Weg vom Park am Nordbahnhof zum Volkspark Humboldthain werden, so die Pläne. In dem Bahngebäude auf der nördlichen Brückenseite direkt an der Scheringstraße planen die Architekten weitere 45 Zimmer und ein Konferenzzentrum.

Ambitioniertes Projekt

Die Pläne für das Brückenhotel gibt es bereits seit mehreren Jahren. Jetzt kommt Bewegung in das ambitionierte Projekt. Wie Ana Salinas auf Anfrage der Berliner Woche sagte, steht ein Investor für die zehn Millionen Euro teure Investition bereit. Gespräche mit der Deutschen Bahn als Eigentümer der Stahlruine zum Kauf der Denkmalbrücke laufen. Beim Bezirksamt liegt seit September ein aktueller Bauvorbescheidsantrag vor. Architekt Gilbert Wilk wollte nicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt über das Projekt berichtet wird. Auf der Internetseite des Architektenbüros sind jedoch Animationen und Skizzen zum gläsernen Brückenhotel in den Fachwerkbindern veröffentlicht.

Das Vorhaben ist kein einfaches Unterfangen. So müssen die Investoren, wenn sie denn grünes Licht für den Kauf der Brücke bekommen, umfangreiche Statikgutachten nachweisen. Die imposanten Liesenbrücken rosten seit 64 Jahren vor sich hin. Die Gleise wurden mit Abriss des Stettiner Fernbahnhofs (heute Nordbahnhof) 1952 abgerissen. Bäume wachsen seitdem zwischen den Stahlträgern.

Früher sind über das Stahlmonster Züge in Richtung Stettin gerattert. Mit dem Bau der Mauer wurde das Areal Grenzgebiet. Außer den NVA-Soldaten im früheren Grenzstreifen kam Jahrzehnte niemand ran von südlicher Seite. Auch 26 Jahre nach dem Mauerfall endet der 2009 eröffnete Park am Nordbahnhof vor einem Zaun.

Bündnis: Bahntrasse öffnen

Das 2013 gegründete Bündnis Liesenbrücken will die Bahntrasse öffnen und den Park am Nordbahnhof mit dem 600 Meter entfernten Humboldthain verbinden. Die Architekten des Nordbahnhofparks hatten diese Grünverbindung bereits 2005 geplant. Doch bisher gibt es dafür vom Senat kein Geld. Das Bürgernetzwerk „Grünzüge für Berlin“ hatte vor drei Jahren Pläne präsentiert, die Fachwerkbrücke zum Eingangstor für den Technologiepark Humboldthain (TPH) zu machen – als Lehrpfad mit Themenstationen zur Industriegeschichte entlang der einstigen Gleise. Das Nutzungskonzept hatte das Bezirksamt Mitte in Auftrag gegeben. Wie es aus der Baubehörde heißt, wäre ein Hotel auf der Brücke prinzipiell genehmigungsfähig. DJ
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