Neue Dauerausstellung erklärt historische Hintergründe

Auch die Geschichte von Werner Coch wird in der Ausstellung präsentiert. (Foto: Dirk Jericho)

Gesundbrunnen. In der neuen Dauerausstellung "1961 / 1989. Die Berliner Mauer" im Dokumentationszentrum, Bernauer Straße 111, wird die deutsche Teilungsgeschichte dargestellt.

Dass sich in diesem Staat "das Blatt dreht", wurde Werner Coch klar, als er 1961 kurz nach dem Mauerbau in der Uni Dresden saß und plötzlich der Hörsaal abgeriegelt wurde. Raus durfte nur, wer sich verpflichtete, zur NVA zu gehen. Ein erster Fluchtversuch über das schwedische Konsulat in Warschau scheiterte genauso wie der zweite über den - verratenen - Tunnel in der Brunnenstraße 45, der dem jungen Studenten 21 Monate Knast einbrachte.

Werner Coch hat danach die Fluchtgedanken aufgegeben und sich "angepasst", wie er sagt. Als Ingenieur im Chemiefaserwerk Premnitz hat sich der heute 73-Jährige mit dem Leben in der DDR arrangiert; ein Freund dieser Diktatur wurde er nie. Wie er nach dem Mauerfall erfuhr, waren bis zuletzt sechs IM des Ministeriums für Staatssicherheit auf ihn angesetzt. Cochs Geschichte ist eine von 43 Biografien, die in der neuen Dauerausstellung im sanierten Dokumentationszentrum zeigen, was die Mauer für die Menschen bedeutet hat.

Ganz unterschiedliche Zeitzeugen wie Fluchthelfer, Flüchtlinge oder einfach nur Menschen, die an der Mauer wohnten und zu deren Leben das Bollwerk irgendwann dazugehörte, schildern an multimedialen Themenstationen ihre persönlichen Erlebnisse. Auch Stasileute, Oppositionelle und Prominente wie der Bürgerrechtler und jetzige Leiter der Stasiunterlagenbehörde, Roland Jahn, lassen die Besucher verstehen, was Mauer, Teilung und DDR-Diktatur bedeutet haben. Während man gegenüber in der Außenausstellung im früheren Grenzstreifen die faktische Macht der Mauer spüren kann, "erzählen wir in der neuen Dauerausstellung die gesamtdeutsche Geschichte im internationalen Kontext", wie Gedenkstättendirektor Axel Klausmeier sagt. Anders als in der alten Ausstellung, in der es im wesentlichen um den Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 ging, werden in der am 9. November eröffneten Dauerausstellung drei große Fragen beantwortet: Warum wurde die Mauer gebaut? Wieso stand sie 28 Jahre lang? Und wie kam es dazu, dass sie im November 1989 so schnell fiel? Es geht um die politische Vorgeschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, um den Kalten Krieg, politische Reaktionen, um den Beginn des Aufbegehrens mit der Charta 77 in der Tschechoslowakei, Polens Solidarnosc-Bewegung Anfang der 1980er-Jahre, Gorbatschows Perestroika-Politik und die Rolle der DDR-Opposition, die immer stärker wurde.

Exponate gibt es wenige. "Unser Hauptexponat steht draußen", sagt Klausmeier. Durch extra große Fenster blickt der Besucher ständig auf die Mauer in der Bernauer Straße. Das ist die Idee der Ausstellung: Draußen die echte Mauer, drinnen die Geschichte dazu. In einer Vitrine am Eingang liegt eine der rostigen Dornenmatten mit Hunderten spitzen Nägeln, die hinter der Mauer unsichtbar verlegt waren. Flüchtlinge, die auf den sogenannten Stalinrasen sprangen, erlitten allerschwerste Verletzungen. Dieses Exponat sagt sehr viel darüber aus, was die zweite deutsche Diktatur für ein Staat war.

Geöffnet ist dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Informationen unter www.berliner-mauer-gedenkstaette.de

Dirk Jericho / DJ
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