Wiesenburg wird Flüchtlingsheim

Auf dem Gelände der historischen Wiesenburg soll ein massives Gebäude aus Modulbauteilen für 500 Flüchtlinge gebaut werden. (Foto: Degewo)
Berlin: Wiesenburg |

Gesundbrunnen. Auf dem Gelände des früheren Obdachlosenasyls Wiesenburg in der Wiesenstraße 55 soll ein Neubau für bis zu 500 Flüchtlinge errichtet werden. Die BVV hat sich nach Bekanntwerden der Senatspläne in zwei Ausschüssen per Beschluss dagegen ausgesprochen.

Jahrzehntelang waren die paar Bewohner und Künstler in den Backsteinruinen unter sich. Seit die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Degewo das 12 500 Quadratmeter große Areal Anfang 2015 offiziell übernommen hat, geht die Angst um, was aus dem Idyll wird. Jetzt ist klar, dass auf dem Gelände eine Flüchtlingsunterkunft gebaut wird. Das hat der Senat am 23. Februar beschlossen. Um die etwa 50 als Notunterkünfte genutzten Sporthallen wieder freizubekommen, sollen in Berlin insgesamt 30 Containerdörfer und 60 feste Gebäude für jeweils etwa 500 Flüchtlinge gebaut werden. Laut Senatsliste sind zwei Containerdörfer in der Otto-Braun-Straße am Alexanderplatz und neben dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm 207 in Wedding geplant. Auf dem Gelände der Wiesenburg wird ein sogenannter MUF gebaut. Diese „Modularbauten als Unterkünfte für Flüchtlinge“ haben eine Lebensdauer von mindestens 60 Jahren und sollen später als normale Wohnungen genutzt werden.

Die Degewo hat dem Senat bereits im Dezember das Wiesenburg-Areal als möglichen Standort gemeldet. Dieses Angebot hat der Senat jetzt angenommen. Die Degewo betont seit der Übernahme, dass sie das Gelände gemeinsam mit den Bewohner, Künstlern, Gewerbetreibenden und dem Quartiersmanagement entwickeln will. Das Gelände soll öffentlicher Kultur- und Kreativort werden. Die Bezirksverordneten hatte im Dezember umfangreiche Beteiligung der Bewohner und Ateliermieter sowie Kiezinitiativen an den Planungen gefordert. In einem „offenen und transparenten Werkstattverfahren“ sollen laut Degewo gemeinsam mit den künftigen Nutzern Ideen entwickelt werden. Bei einem ersten Kolloquium „waren sich allerdings alle Beteiligten einig, dass der Bau modularer Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) mit einer Konzentration von 300 bis 500 Geflüchteten am Standort nicht Ziel sein kann“, wie die Degewo am 12. Februar in einer Presseerklärung mitteilte. „Nur eine integrative und gemischte Lösung mit deutlich weniger Menschen, die Raum für weitere Nutzer lässt, ist für das Quartier sozialverträglich“, sagt Christian Schöningh vom Architekturbüro Die Zusammenarbeiter, das als Experte die Sanierungsoffensive begleitet. Zwei BVV-Ausschüsse – der für Stadtentwicklung und der für Soziale Stadt, QM, Verkehr und Grünflächen – haben am 24. Februar gegen die MUF-Pläne gestimmt.

Wo genau der Bau hinkommt, ist noch unklar. Degewo-Sprecher Lutz Ackermann betont, „dass das Werkstattverfahren Vorfahrt hat.“ Gemeinsam mit allen Beteiligten werde die Degewo „eine gute Lösung finden“. Ackermann betont, dass die Flüchtlinge integriert werden sollen und „keine abgeschotteten Bereiche“ gebaut werden. Platz für den Modulbau wäre eigentlich nur auf der Fläche der im Zweiten Weltkrieg weggebomten früheren Schlafsäle – seit Jahrzehnten ein wildgewachsenes Gartenidyll. DJ
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