Berliner Forsten bauen ein Winterquartier für Fledermäuse

Ein alter Luftschutzbunker wird umgebaut und mit Einflugtürmen versehen.
Berlin: Reifenwerk Schmöckwitz |

Schmöckwitz. Das Reifenwerk am Adlergestell ist Geschichte. Am Standort entsteht wieder Wald und künftig darf dort auch nicht mehr gebaut werden – mit zwei Ausnahmen.

Ein Mobilfunkbetreiber darf einen neuen Sendemast errichten, damit der bisher als Antennenträger genutzte Turm der Rauchgasentschwefelung abgerissen werden kann. Und im vorderen Teil des Geländes entsteht im Auftrag der Berliner Forsten ein Fledermausquartier.

Bereits kurz vor Weihnachten wurden von Maurern für die fliegenden Säugetiere Einflugtürme hochgezogen. Darunter befindet sich der zu DDR-Zeiten entstandene Luftschutzraum des Reifenwerks.

„Den haben wir erst bei den Abrissarbeiten gefunden, da die Ruine nach mehreren Bränden vorher nicht mehr betreten werden durfte. Der betonierte, rund 80 Quadratmeter große Bunker mit mehreren Räumen schien uns gut als Winterquartier für Fledermäuse geeignet. Da durch den Abriss der Gebäude Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse zerstört wurden, waren wir verpflichtet, im Rahmen der Renaturierung für Ersatz zu sorgen“, sagt Dirk Riestenpatt, der beim Landesforstamt für das Projekt Reifenwerk zuständig ist.

Ursprünglich sollte ein Bunker im gegenüberliegenden Wald, der beim Bau des Reifenwerks im Zweiten Weltkrieg angelegt worden war, Fledermauswinterquartier werden. Der war allerdings durch Sprengversuche der sowjetischen Alliierten nach Kriegsende so stark beschädigt worden, dass er nicht mehr hergerichtet werden konnte.

Damit es Wasserfledermaus und Großer und Kleiner Abendsegler künftig am Adlergestell gut durch den Winter kommen, wurde der Luftschutzraum entsprechend hergerichtet. Kiesschüttungen sorgen dafür, dass es im Innern des Baus verschiedene Temperaturzonen gibt. Und als Unterschlupf wurden 40 Hohlblocksteine an die Betonwände geschraubt.

Damit die Fledermäuse in ihrem Quartier Winterruhe halten können, müssen Störungen vermieden werden. „Wir schrauben noch Schilder an, die über den Sinn der Anlage informieren und hoffen, dass unsere Fledermäuse von Spaziergängern und Radlern nicht gestört werden“, sagt Dirk Riestenpatt.

In den nächsten Monaten kommt ohnehin kein Besucher legal auf das Gelände. Bis die Aufforstung abgeschlossen ist, bleibt das frühere Reifenwerkareal erst einmal verschlossen.

Berlinweit gibt es rund 30 Fledermausquartiere in alten Bunkern, Kellern und Gewölben. Die größte Unterkunft sind die Katakomben der Spandauer Zitadelle, hier überwintern bis zu 10 000 Tiere. RD
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