Barockes Geschirr ist eine Attraktion im Schloss Köpenick

Zu den besonderen Schaustücken im Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick gehört das aus dem Schloss stammende Prunkgeschirr aus vergoldetem Silber. (Foto: Caspar)

Köpenick. Winterruhe beendet: Das Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick erweitert ab April seine Öffnungszeiten. Eine besondere Attraktion ist das aus dem Berliner Stadtschloss stammende Silberbuffet. Fast wären das Barockensemble vor über 200 Jahren eingeschmolzen worden.

Nach der preußischen Niederlage 1806/7 im Krieg gegen Frankreich und dem Friedensschluss von Tilsit befand sich das Reich der Hohenzollern in einer tiefen Krise. Die Franzosen verlangten 140 Millionen Francs als Kontributionen. Erst wenn diese Riesensumme beglichen war, wollten sie das um die Hälfte verkleinerte Preußen verlassen.

Um einen Teil der Kriegsentschädigungen entrichten zu können, wurden am preußischen Hof entbehrliche Gegenstände aus Gold und Silber eingesammelt. Friedrich Wilhelm III. ließ Teile seines Tafelgeschirrs einschmelzen, auch aus Silber gefertigte Möbelstücke und Spiegel.

Da die Schulden gegenüber den Franzosen außerordentlich drückten, wurde auch über das Schicksal des im Rittersaal des Stadtschlosses aufgetürmten Silberbuffets nachgedacht. Die üppig mit Kronen, Adlern, Wappen und anderem Zierrat bedeckten Teller, Humpen, Kannen und Terrinen aus schwerem, mit Gold überzogenen Silber waren im frühen 18. Jahrhundert von Augsburger und Berliner Silberschmieden für den preußischen Hof angefertigt worden, erfährt man beim Besuch des Köpenicker Schlosses, das ursprünglich Residenz des Kurfürsten Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, war. Mit der Präsentation des Gefäßensembles im prächtigsten Saal ihres Berliner Stadtschlosses demonstrierten die Hohenzollern Macht und Stärke. Zugleich betrachteten sie die Kannen, Kessel, Teller und Flaschen als Teil des Staatsschatzes, der in Kriegs- und Krisenzeiten zur Bestreitung außerordentlicher Ausgaben und zu Münzprägung geopfert wurde.

Dass das Berliner Silberbuffet erhalten blieb, ist der Intervention von Hofbeamten zu verdanken. Sie wiesen Friedrich Wilhelm III. auf den besonderen künstlerischen Wert und die historische Bedeutung hin und baten, er möge andere Silbergegenstände einschmelzen lassen. Der König stimmte zu. Im Übrigen rief die Regierung Anfang 1813 das Volk zu Spenden unter dem Motto "Gold gab ich für Eisen" auf, um die Ausrüstung von Freiwilligen für den bevorstehenden Befreiungskrieg gegen Frankreich finanzieren zu können. Das Echo war beachtlich und niemand dachte mehr daran, das Tafelsilber in den Schmelztiegel zu werfen.

Schloss Köpenick ist Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, ab April Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr geöffnet. Karten kosten sechs, ermäßigt drei Euro.

Helmut Caspar / HC
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