Planungen zur Tangentialverbindung Ost gehen in die zweite Phase

Mehrere Hundert Interessierte aus Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf besuchten den Infoabend des Senats zur TVO. (Foto: Steffi Bey)
 
Astrid Renner, Projektleiterin in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung referierte auf der Info-Veranstaltung zur TVO über den Arbeitsstand und gab einen Ausblick. (Foto: Steffi Bey)

Oberschöneweide. Von acht untersuchten Bereichen für die geplante Tangentialverbindung Ost (TVO) hat der Senat jetzt zwei ausgewählt. Sie liegen westlich und östlich des Bahn-Außenrings und kommen für die Vorzugstrasse in Frage.

Der erste Teil des "Formalisierten Abwägungs- und Rangordnungsverfahrens“ (FAR) ist geschafft. Für die geplante vierspurige TVO, die die Lücke zwischen der Bundesstraße 1/5 im Norden und der Straße An der Wuhlheide im Süden schließen soll, hat der Senat jetzt zwei mögliche Trassenkorridore ausgewählt. Auf diesen Geländestreifen könnte die neue Straße künftig verlaufen.

Was bisher in diesem aufwendigen Verfahren untersucht wurde, welche Ergebnisse vorliegen und wie es weitergeht, erfuhren Interessierte kürzlich auf einem Infoabend im FEZ in der Wuhlheide. Mitarbeiter der federführenden Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Vertreter beteiligter Planungsbüros sowie des Planungsbeirats kamen zu Wort.

Dass allerdings die Bürger an diesem Abend weder ihre Fragen noch Meinungen loswerden konnten, verärgerte schon einen Großteil der Besucher. „Das, was uns hier mitgeteilt wird, hätten wir auch einfach zu Hause im Internet nachlesen können“, brachte es eine Köpenickerin auf den Punkt. Und so verließen schon nach kurzer Zeit immer mehr Gäste den Saal.

Norbert Illiges von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH machte aber noch einmal deutlich: Die am Verfahren Beteiligten wollen den Zuhörern verständlich den aktuellen Sachstand erläutern. „Fragen, Anregungen und Kritik werden natürlich entgegengenommen – und zwar online, wie auch schon nach der erste Infoveranstaltung vor einem Jahr“, betonte er.

Seitdem untersuchten die Experten acht Geländestreifen, die sich möglicherweise für eine Trassenführung eignen. Neben der Bestandserfassung und Bewertung wurden Umweltverträglichkeitsstudien angefertigt und schließlich sämtliche Parameter gegeneinander abgewogen. Das Ergebnis: Zwei Strecken blieben übrig. Korridor 3 verläuft östlich vom Berliner Außenring der Bahn. Er ist 5,4 Kilometer lang, im Norden schmal. Grenzen setzen ihm Wohngrundstücke in Biesdorf-Süd. Doch einzelne Häuser liegen in diesem Streifen.

Korridor 4 befindet sich westlich der Gleise. Er ist 6,5 Kilometer lang und im Norden breit. Dort gibt es noch viele grüne Flächen, bevor der Tierpark und die Neubebauung in Karlshorst beginnen.

Das Ziel der zweiten Verfahrensstufe: eine Vorzugstrasse auszuweisen. „Betrachtet werden dabei auch verschiedene Kombinationsmöglichkeiten innerhalb und zwischen den beiden Korridoren“, sagte Projektleiterin Astrid Renner von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Sie machte deutlich, dass die beiden Strecken nun völlig neu bewertet werden. Dazu gehören unter anderem Verkehrsprognosen, die die Auswirkungen auf umliegende Straßenzüge erkennbar machen. Zudem fließen extra gefertigte Luft- und Lärmgutachten sowie die Umweltverträglichkeitsstudie in die Bewertung ein. Das Besondere am gesamten Verfahren sei die intensive Beteiligung der Öffentlichkeit. „Und zwar lange bevor Entscheidungen gefallen und Entwürfe gefertigt sind“, hob Norbert Illiges hervor. Beispielgebend sei der Planungsbeirat, in dem inzwischen neun Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen wie Bürgerinitiativen, Vereine sowie Wirtschaftskreise mitwirken.

Kritisch reagierte die Bürgerinitiative Karlshorst allerdings auf die nun „favorisierte Kombivariante, die die Natur und unsere Wohngebiete zu stark belastet und zum Teil zerstört“, heißt es in einem vor der Veranstaltung verteilten Flugblatt. „Wir fordern eine durchgehende Trassenführung östlich der Bahntrasse und ein Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde“, betonten die Vertreter.

Bis die ersten Autos einmal über die neue Straße fahren, vergeht noch reichlich Zeit. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) geht vom ersten Spatenstich 2018 aus. „2020 könnte die TVO fertig sein“, so der Politiker.

Weitere Informationen unter www.berlin.de/tvo. Unter der Rubrik „Beteiligung“ können bis zum 26. Februar Anregungen, Stellungnahmen und Kritik geäußert werden. SB
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
32
Michael Peine aus Biesdorf | 21.01.2016 | 09:40  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.