Historisches Bauwerk soll jetzt zugeschüttet werden

Der Bahnhofsrohbau unter der Dresdner Straße. (Foto: Berliner Unterwelten/Frieder Salm)

Kreuzberg. Nördlich des Oranienplatzes befindet sich unter der Dresdner Straße ein nie in Betrieb gegangener U-Bahntunnel einschließlich Bahnhofsrohbau. Er soll in einigen Wochen für immer verschwinden.

Nach den bisherigen Planungen wird der Tunnel voraussichtlich im Februar oder März verfüllt. Bereits seit 2012 ist er gesperrt, weil die Statik nicht mehr sicher ist. Außerdem birgt der Hohlraum Gefahren für den Verkehr. Bis zur Schließung hatten die Berliner Unterwelten Führungen veranstaltet. Sie wollten das Bauwerk jetzt retten, sehen sich dabei aber vom Tiefbauamt ausgebremst.

"Wir haben zunächst ein Statikgutachten erstellen lassen", sagt der Vereinsvorsitzende Dietmar Arnold. Das sei davon ausgegangen, dass eine Sicherung auf jeweils 16 Tonnen Last pro Fahrtrichtung für diese Straße ausreichend sein würde. Die Investition in Höhe von rund einer Million Euro wollte der Verein finanzieren.

Dem Tiefbauamt waren aber die 16 Tonnen nicht genug. Es forderte eine Last von 30 Tonnen pro Fahrspur. "Dann könnten sogar Panzer über die Dresdner Straße rollen. Das Vorhaben wäre um mehrere Millionen verteuert worden. Das hätten wir nicht stemmen können", erklärt Arnold. "Es ist mir unverständlich, wie leichtfertig der Bezirk mit diesem historischen Erben umgeht."

Dem widerspricht Tiefbauamtsleiter Helmut Schulz-Herrmann. "16 Tonnen Last reichen gerade für Pkw und einige größere Fahrzeuge wie die Müllabfuhr aus." Für ihn gab es aber auch noch andere Gründe für die Ablehnung. "Wer hätte uns beispielsweise garantiert, dass die Unterwelten das Projekt wirklich bewerkstelligen können?" Bei vielen Bauvorhaben gebe es Unwägbarkeiten und Kostensteigerungen. "Das gilt erst recht für einen alten Tunnel." Wenn dafür das Geld nicht mehr ausgereicht hätte, wäre der Bezirk in der Verantwortung gekommen. Das Zuschütten wird der Senat dagegen bezahlen. Aber nur noch in diesem Jahr.

"Der Preis dafür liegt ähnlich hoch wie das, was unsere Sanierung kosten würde", behauptet Dietmar Arnold. Er hat das Tunnelprojekt weitgehend abgeschrieben. Zumal die dafür vorgesehenen Mittel inzwischen anderweitig verplant sind. Deshalb kommt ein Rettungsversuch, den die Piraten gestartet haben, wahrscheinlich zu spät. Sie forderten in einem Antrag, die nördliche Dresdner Straße für den Schwerlastverkehr zu sperren und als Spielstraße auszuweisen.

Am 7. Januar wurde das Thema im Kulturausschuss beraten. Der beschloss, einen Prüfauftrag an das Bezirksamt zu richten.


Thomas Frey / tf
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