Artur Brauner stiftet seine Filme dem Jüdischen Museum

Marco Hofschneider als "Hitlerjunge Salomon". Der Film erhielt vor allem im Ausland große Anerkennung. (Foto: CCC Filmkunst)
 
Artur Brauner 1992 bei der Trauerfeier für Heinz Galinski, den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Berlin. (Foto: Jüdisches Museum Berlin/Michael Kerstgens)
Berlin: W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums |

Kreuzberg. Artur Brauner hat rund 250 Filme produziert. Seichtes war ebenso darunter wie künstlerisch Wertvolles. Über Arbeiten aus der zweiten Kategorie kann sich jetzt das Jüdische Museum freuen.

Denn der 97-Jährige hat dem Haus an der Lindenstraße 21 jene Kinowerke gestiftet, die sich mit den Themen Nationalsozialismus und Holocaust auseinandersetzen. Sie sind künftig in der Bibliothek des Museums zugänglich und sollen auch im Rahmen der historischen Bildungsarbeit gezeigt werden. Außerdem steht das Geschenk am 7. März im Mittelpunkt eines Thementags im Beisein von Artur Brauner und seiner Familie.

Brauner gilt als einer der erfolgreichsten deutscher Filmproduzenten. Er wurde 1918 in Lodz in Polen als Abraham Brauner geboren. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs flüchtet er 1940 in die Sowjetunion und kommt nach Kriegsende nach West-Berlin. Zusammen mit seinem Schwager Joseph Einstein gründet er 1946 die Central Cinema Comp.-Film Gesellschaft (CCC) und baut ab 1950 auf dem Gelände einer ehemaligen Versuchsanstalt für chemische Kampfstoffe in Haselhorst einen Studiokomplex auf. Dort entstehen Heimat-, Abenteuer- und Erotikstreifen, Komödien oder Krimis.

Lange Zeit lag der Schwerpunkt auf der eher leichten Unterhaltung. An Filmen, die sich mit den Verbrechen der Jahre 1933 bis 1945 auseinandersetzten, zeigte das Kinopublikum wenig Interesse. Brauner hatte das bereits 1947/48 erfahren, als er mit "Morituri" ein Werk zu diesem Thema vorlegte, damit aber keinen geschäftlichen Erfolg hatte. Höchstens indirekt kam er danach auf die NS-Zeit zurück. Etwa dadurch, dass er immer wieder Regisseure verpflichtete, die Deutschland nach der Machtergreifung Hitlers verlassen mussten. Zum Beispiel Fritz Lang oder Robert Siodmak.

Erst in den 1970er-Jahren änderte sich das. Parallel zum veränderten gesellschaftlichen Klima in der Bundesrepublik und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit begann er, sich auch in seinen Produktionen verstärkt damit zu beschäftigen. So beispielsweise 1981 in "Die Spaziergängerin von Sans-Souci". Die deutsch-französische Koproduktion wurde auch deshalb ein Klassiker, weil sie Romy Schneiders letzter Film war.

Für starke, auch weltweite Beachtung sorgte gut zehn Jahre später "Hitlerjunge Salomon". Das an die Geschichte von Salomon Perel angelehnte Werk über einen Juden, der für einen "Volksdeutschen" gehalten wird und in einer HJ-Eliteschule landet, hatte gute Chancen auf einen Oscar. Allerdings war es von der deutschen Kommission nicht nominiert worden. 1992 erhielt "Hitlerjunge Salomon" den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.

Beide Filme werden am 7. März gezeigt. "Hitlerjunge Salomon" um 15 Uhr, "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" um 18.30 Uhr. Dazwischen gibt es um 17 Uhr ein Zeitzeugengespräch mit Artur Brauner und Schülern. Die Veranstaltungen finden im Saal der W. Michael Blumenthal Akademie am Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz statt. Der Eintritt ist frei. tf

Besucheranmeldung unter  25 99 34 88, E-Mail: reservierung@jmberlin.de.
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