Michael Blumenthal gibt Direktorenamt des Jüdischen Museums ab

Michael Blumenthal hat das jüdische Museum in den vergangenen 17 Jahren geprägt. (Foto: Jüdisches Museum Berlin)

Kreuzberg. Seit 1997 war Prof. W. Michael Blumenthal (88) Gründungsdirektor des Jüdischen Museums. Zum 1. September gibt er diesen Posten ab.

Seinen Nachfolger hat Blumenthal selbst ausgesucht. Die Wahl fiel auf Prof. Peter Schäfer. Der 70-Jährige ist einer der international angesehensten Judaisten. Er lehre unter anderem an der Freien Universität Berlin und bis 2013 an der amerikanischen Universität Princeton. Obwohl die jüdische Religion und Geschichte seit Jahrzehnten seinen beruflichen Schwerpunkt bilden, ist er selbst Katholik.

Er habe sich schon seit einiger Zeit gefragt, wann der Moment für seinen Rückzug gekommen sei, erklärte Michael Blumenthal. "Als sich herausstellte, dass Peter Schäfer nach seiner Emeritierung zur Verfügung steht, hat sich diese Frage von selbst beantwortet."

Blumenthal hatte einst geplant, nur für einige Monate als Gründungsdirektor zur Verfügung zu stehen. Daraus wurden 17 Jahre. Das Konzept des Museums als ein eigenständiges Haus für die umfassenden und nachvollziehbarer Darstellung der 2000-jährigen Geschichte des Judentums in Deutschland war vor allem sein Werk. Der Erfolg gab ihm recht. Mit jährlich rund 700 000 Besuchern gehört das Jüdische Museum zu den meist besuchtesten Ausstellungsorten in Berlin.

Für Michael Blumenthal schloss sich mit dieser Aufgabe auch ein Lebenskreis. 1926 in Oranienburg geboren, floh er 1939 mit seiner Familie vor den Nazis zunächst nach Schanghai, später in die USA. Dort machte er Karriere als Wirtschaftsprofessor, Manager und war von 1977 bis 1979 unter Präsident Jimmy Carter amerikanischer Finanzminister.

Peter Schäfer will am bisherigen Konzept festhalten und hat nicht vor, "das Haus in ein professorales Laboratorium umzubauen". Allerdings soll die Dauerausstellung möglicherweise modifiziert werden. Und er setzt auch in Zukunft auf die Hilfe von Michael Blumenthal. Der will dem Museum in den kommenden zwei Jahren noch beratend zur Verfügung stehen.


Thomas Frey / tf
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