Für den Moritzplatz fand die erste Stadtteilkonferenz statt

So stellen sich die Architekten den neu gestalteten Moritzplatz vor. (Foto: Grafik: Büro Alas)

Kreuzberg. Der Kiez um den Moritzplatz stand lange nicht besonders im Fokus der Bezirkspolitik. Das hat sich inzwischen etwas geändert.

Schuld daran waren zum einen die im vergangenen Jahr veröffentlichten Zahlen des Sozialatlas, die das Gebiet auf dem letzten Platz aller Berliner Quartiere sahen. Parallel dazu gab es Ärger wegen der beabsichtigten Schließung der Bona-Peiser-Bibliothek.

Anlass genug, sich ausführlicher mit der Gegend zu beschäftigen. Das passierte am 13. Februar bei einer Stadtteilkonferenz im Theatersaal des Aufbau-Hauses. Das 2011 eröffnete Haus ist das markanteste Beispiel dafür, dass es hier auch positive Entwicklungen gibt, von denen der Kiez aber insgesamt noch zu wenig mitbekommt oder sogar negativ belastet wird, wurde gleichzeitig beklagt. Die neuen Kreativunternehmen würden zum Beispiel für steigende Gewerbe- oder Wohnungsmieten sorgen.

Dabei war das Anziehen der Mietpreise bisher eher ein gefühltes, als ein reales Problem, weil die Vermieter meist städtische Wohnungsbaugesellschaften sind. Mehr Sorgen macht aktuell dagegen die mangelnde Barrierefreiheit vieler Gebäude. Vor allem ältere Menschen werden häufig zum Auszug gezwungen. Deshalb gab es die Forderung nach mehr behindertengerechten und kostengünstigen Neubauten. Der Platz dafür wäre an einigen Stellen, etwa in der Otto-Suhr-Siedlung, noch vorhaben.

Was die Freiflächen insgesamt betrifft, kamen Klagen über ihren verwahrlosten Zustand, etwa an der sogenannten vierten Ecke am Moritzplatz. Der Platz spielte natürlich ohnehin eine wichtige Rolle, was die Verkehrssituation oder den fehlenden Aufzug zum U-Bahnhof betrifft. Er wird, nach den jüngsten Plänen der BVG, jetzt für 2017 oder 2018 versprochen.

In diesem Zusammenhang sollte auch gleich die Grünfläche in der Rondellmitte neu gestaltet werden. Diese Idee samt entsprechender Entwürfe brachten die beiden Architekten Axel Linde und Carlos Alarcón Allen vom Büro Alas vor. Sie wollen die Oberfläche öffnen und einen Zugang zur leeren Zwischenetage des U-Bahnhofs ermöglichen. Dort könnte zum Beispiel ein Café eingerichtet werden. Die bisher nur schwer erreichbare Grünanlage werde dann mehr genutzt und der gesamte Bahnhof aufgewertet, erklären die beiden. Fraglich ist allerdings, ob die Berliner Verkehrsbetriebe mitspielen. Die findet das Vorhaben zwar interessant, verweisen aber gleichzeitig auf den Denkmalschutz.

Nicht nur der Vorstoß der Architekten, sondern auch andere Meinungsäußerungen vermittelten das Bild, dass sich viele der rund 70 Konferenzteilnehmer mit ihrem Kiez identifizieren. Der habe auch einiges Potenzial, das nur noch nicht geweckt und wo bereits vorhanden, häufig nicht bekannt sei. Deshalb wurde auch verlangt, dass die Gegend ein Quartiersmanagementgebiet werden soll. Ein solcher Treffpunkt war und ist noch immer die Bona-Peiser-Bibliothek. Wie berichtet besteht sie weiter, allerdings zu eingeschränkten Öffnungszeiten. Gleichzeitig gibt es dort mittlerweile andere Angebote und Veranstaltungen, ein Vorgeschmack auf ihre mögliche Zukunft als Stadtteilzentrum.

Was aus den vielen Ideen wird und welche davon umgesetzt werden können, soll in den kommenden Monaten geklärt werden. Wahrscheinlich in Richtung Jahresende ist eine weitere Stadtteilkonferenz geplant.


Thomas Frey / tf
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