BVV setzt Erhalt des Tiergeheges im Viktoriapark durch

Seit 24. Oktober gibt es keine Tiere mehr im Gehege im Viktoriapark. jetzt hat die BVV ihre Rückkehr beschlossen. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Das plötzliche Aus des Tiergeheges im Viktoriapark hat für Aufruhr gesorgt. Anwohner verlangten eine Rücknahme der Entscheidung und sammelten inzwischen rund 800 Unterschriften.

Ihr Protest hatte Erfolg. Denn am 29. Oktober beschloss die BVV, dass der Mini-Zoo bleiben und die Tiere zurückkehren müssen. Die rund 20 Ziegen, Hasen sowie Vögel waren am 24. Oktober in einen Tierhof nach Marzahn gebracht worden.

Zwei Dringlichkeitsanträge der Fraktionen von SPD und CDU stellten sich hinter die Forderungen der Bürger. Beide fanden Zustimmung bei Piraten und Linken. Die Grünen enthielten sich. Sie wollten über das Thema zuvor noch einmal im Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutieren. Das wurde von den anderen Fraktionen abgelehnt.

Zuvor machten die Tierfreunde ihrem Ärger teilweise lautstark Luft. Ebenso wie mehrere Bezirksverordnete empörte sie, dass das Gehege in einer Nacht und Nebel-Aktion abgewickelt wurde. Erst nahezu parallel mit dem Auszug der Tiere sei darüber informiert worden. Auch der ehrenamtliche Pfleger habe nichts gewusst. Im zuständigen Ausschuss war das Thema nicht auf der Tagesordnung. Und in der Antwort auf eine mündliche Anfrage in der September-Sitzung der BVV war zwar von einem nahen Aus die Rede, ein konkreter Termin wurde aber nicht genannt.

Bezweifelt wurde auch die Behauptung des Bezirksamtes, die Anlage würde im Jahr rund 120 000 Euro kosten. Rund 15 000 Euro seien für Futter und den Unterhalt nötig. Mit dem Restbetrag wurden künftige Personalkosten berechnet. Bisher kümmerten sich neben einem Ehrenamtlichen zwei MAE-Kräfte um die Anlage. Deren Beschäftigung lief Ende Oktober aus. Es werden hier also Ausgaben für Mitarbeiter angegeben, die bisher gar nicht angefallen sind, meinte der Bezirksverordnete John Dahl (SPD). Er hielt auch die Höhe für wenig glaubhaft. "Wir reden von Tierpflegern und nicht von Amtsleitern." Bei den Sachausgaben zog Timur Husein (CDU) einen drastischen Vergleich. Die 15 000 Euro entsprechen den Kosten für drei Tage Wachschutz an der Gerhart-Hauptmann-Schule.

Ebenfalls auf Widerspruch stieß die Aussage, das Grünflächenamt habe sich erfolglos um einen neuen Betreiber bemüht. Und ein freiwilliger Einsatz sei anscheinend ebenfalls nicht gewünscht. Seit einem Jahr versuche die Adolf-Glasbrenner-Grundschule wegen einer Zusammenarbeit mit Baustadtrat Hans Panhoff (B 90/Grüne) ins Gespräch zu kommen.

Die BVV-Mehrheit verlangt deshalb neben der unverzüglichen Rückkehr von Ziegen, Hasen und den übrigen Tieren auch ein tragfähiges und langfristiges Konzept. Das könnte beispielsweise pädagogische Angebote beinhalten, meinte John Dahl und verwies auf das Tierareal in der Hasenheide in Neukölln, wo ähnliches passiere.

Dazu passt, dass sich inzwischen ein Interessent gemeldet hat. "Der Verein Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere" aus Pankow möchte das Gehege übernehmen. Er betreibt in Blankenburg eine Anlage, in der rund 200 Hunde, Katzen und Vögel leben. "Sie befindet sich an der Grenze ihrer Kapazität", sagt der Vorsitzende Dirk Bufé. Deshalb würde er im Viktoriapark gerne eine Außenstelle einrichten und dort auch einige seiner Tiere unterbringen.

Sein Verein arbeite ehrenamtlich und finanziere sich durch Spenden und Zuwendungen, erklärt Dirk Bufé. Außerdem denkt auch er an einen Antrag für MAE-Kräfte. Bei einem Zuschlag werde der Vogelgnadenhof alle Kosten übernehmen und nicht dem Bezirksamt in Rechnung stellen, kündigt der Vorsitzende an.


Thomas Frey / tf
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