Nächste Runde im Säntisstraßen-Skandal

Von einst blühenden Schrebergärten ist in der Säntisstraße eine triste Müllhalde geblieben. (Foto: privat)

Marienfelde. Die Berliner Woche berichtete 2013 mehrfach: Das von einem privaten Investor auf dem Gelände der Kleingartenkolonie Säntisstraße geplante Logistikzentrum dominierte fast das gesamte Jahr über einen beträchtlichen Teil der Bezirkspolitik mit einigen bis heute ungeklärten Ungereimtheiten.

Zum Beispiel nur der über Jahre in einer Rathausschublade "vergessene" BVV-Beschluss zum Schutz der Kolonie. Mitte des Jahres 2013 gab es dann noch einen erfolgreichen Einwohnerantrag zum Erhalt der Kolonie, den das Bezirksamt aber ignorierte und trotz aller Widerstände der Laubenpieper die Erweiterung des benachbarten Logistikzentrums genehmigte. Ende des selben Jahres, nachdem die neuen Besitzer (Hortuli GmbH) des einstigen Eisenbahngeländes zwischenzeitlich dann auch noch Pläne für altengerechte Wohnbauten und die Ansiedlung wohnverträglicher Gewerbebetriebe präsentierte, wurde eine Vereinbarung über die weitere Entwicklung der Kolonie geschlossen. Quasi sofort wurden anschließend die ersten 75 von insgesamt rund 250 Parzellen geräumt. Weitere Hundert hängen seitdem in der Schwebe. Lediglich rund 80 Parzellen bekamen für die nächsten 25 Jahre ein Bestandsversprechen. Das war bislang eigentlich auch schon alles. Jedenfalls ist nun seit gut einem Jahr weder vom Bau des Logistikzentrums geschweige denn von Wohnbauten oder Gewerbebetrieben, die angeblich schon mit den Hufen scharrten, um sich dort anzusiedeln, weit und breit etwas zu sehen. Eine Abgrenzung des geräumten Geländes vom Rest der noch bestehenden Kolonie gibt es nicht und die im Übergang zur Verwahrlosung befindliche Brache ist durch breite Löcher im Zaun von der Säntisstraße für jedermann frei zugänglich. Die Folge: Müll wird abgeladen, Ratten gehen spazieren und Diebstähle sowie Einbrüche in die noch bestehenden Lauben und Gärten sind an der Tagesordnung. "Keiner blickt mehr durch, was hier eigentlich passieren soll. Der einzig bislang geschaffene Fakt ist, dass praktisch fast ein Drittel der Kolonie dem Erdboden gleich gemacht wurde", so Andreas Schwager zur Berliner Woche. Er stand, so lange noch Hoffnung bestand, an der Spitze des Widerstandes der Laubenpieper und war schließlich einer der ersten, die ihre Parzelle geräumt haben und die immer noch - nun schon fast ein Jahr lang - auf die ihnen zustehenden Entschädigungszahlungen warten. Die erste Klage ist bereits beim Landgericht Berlin eingereicht.


Horst-Dieter Keitel / HDK
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