„Grüne Oase“ steht vor dem Aus
Ponyclub "Zu den flotten Hufen" und Gemüsehof sollen Wohnungen Platz machen

Magdalena (9) und Caroline (9, stehend), Filiz (11) und Paula (13) sind Mitglieder im Ponyclub "Zu den flotten Hufen" und reiten wöchentlich auf der Koppel.
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  • Magdalena (9) und Caroline (9, stehend), Filiz (11) und Paula (13) sind Mitglieder im Ponyclub "Zu den flotten Hufen" und reiten wöchentlich auf der Koppel.
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„Ich finde unsere Wortwahl ‚grüne Oase‘ nicht übertrieben“, sagt Michael Frohoff (51). Der Vater von Magdalena (9), die regelmäßig zum Reiten kommt, führt uns über das Gelände des Ponyhofs „Zu den flotten Hufen“. Zusammen mit dem sozialen Gartenprojekt „Gemüsehof“ wird das Areal am Lichterfelder Ring 121 wohl für Wohnungsneubau Platz machen müssen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat einen entsprechenden Flächennutzungsplan (FNP) aufgestellt. Auf dem zwölf Hektar großen Planungsgebiet befinden sich ein Wäldchen, die Gustav-Heinemann-Oberschule sowie der Pony- und Gemüsehof. Im Norden wird der Bereich vom Lichterfelder Ring, im Süden von der Waldsassener Straße erschlossen. „Zusammen mit der stadträumlichen Lage angrenzend an den Landschaftsraum in der Brandenburger Gemeinde Großbeeren bildet die Fläche ein attraktives Potenzial zur Siedlungsergänzung“, heißt es im FNP. Die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens für rund 320 Wohnungen wird bereits vorbereitet.

Schon vor zweieinhalb Jahren, berichtet die Zweite Vorsitzende des Ponyclubs, Jessica Böhm (40), habe der Bezirk in Gesprächen mitgeteilt, dass auf der Fläche einmal gebaut werden soll. Danach hätten sie jedoch lange nichts mehr gehört, bis plötzlich die Senatsverwaltung Anfang Mai mit ihren Plänen aufgetaucht sei. Dass sie davon erfuhren, sei Zufall gewesen. „Wir wurden darüber nicht informiert“, sagt Böhm. Der Ponyclub, der das Gelände vom Land Berlin gepachtet hat, ist in einer unkomfortablen Situation. Er verfügt über einen Vertrag mit einer lediglich einmonatigen Kündigungsfrist. Wie lange er noch bleiben darf, wissen die Mitglieder nicht. Die Online-Petition „Für Wälder und Natur statt noch mehr Beton“, unabhängig vom Verein initiiert, haben bereits mehr als 2000 Personen unterschrieben.

„Ich wüsste gar nicht, wo ich nach der Schule hingehen soll“, sagt Paula (13), die stolz das lilafarbene Vereinsshirt trägt. Ihr gehört eines der 13 Ponys, das für 48 Kinder bei der wöchentlichen Reiterausbildung im Einsatz ist. Sie werden von den Kindern auch gefüttert und gestriegelt. „Es ist sehr schön hier – viel Natur“, meint Filiz (11). Sie wäre sehr traurig, wenn der 2002 eröffnete Ponyclub schließen müsste. Auch für die Senioren aus einem nahen Altenheim, die gern zu Besuch kommen, ginge damit ein Stück Lebensfreude verloren. „Es ist ganz wichtig, dass wir hierbleiben. Die Grünfläche ist außerdem auch unabhängig von uns wichtig für die Umgebung“, sagt Jessica Böhm, deren Töchter Aimee (16) und Anik (11) ebenfalls auf der Anlage reiten. Wegfallen würde beim Wohnungsbauprojekt der Degewo auch der Arbeitsplatz von Artur Mankowski (32). Die Tätigkeit beim Gemüsehof samt Imkerei direkt neben der Koppel, der 2016 aus einem Projekt für Langzeitarbeitslose entstand, vermittelte ihm das Jobcenter. Seit 1. Juli ist der gelernte Gas- und Wasserinstallateur und Tischler, zuvor sieben Jahre arbeitslos, dort festangestellter Hausmeister. „Für mich ist das hier ein Neuanfang“, sagt er. Ein Neuanfang, der vielleicht schon bald wieder beendet sein wird.

„Mir war von Anfang an wichtig, dass der Ponyhof eine Zukunft hat“, erklärte Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) auf Nachfrage. „Ich hätte mir gewünscht, dass er bleiben kann, aber das wird vermutlich nicht möglich sein.“ Der Bezirk werde jedoch einen Alternativstandort prüfen und bei einem Umzug helfen, versprach sie.

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