Experten sehen Spritzusätze kritisch

Zusatzstoffe für Öl oder Benzin sollen helfen, mehr Leistung aus einem Motor herauszukitzeln. Experten bezweifeln die versprochene Wirkung. (Foto: Andrea Warnecke)

Mehr Leistung, weniger Verbrauch: Im Fachhandel gibt es jede Menge Zusatzstoffe für Sprit und Öl, die für rund 50 Euro das Blaue vom Himmel versprechen. Experten halten davon aber nur wenig.

"Bis dato hat kein Fahrzeughersteller die Verwendung freigegeben", warnt ADAC-Technikexperte Carsten Graf vor dem Einsatz solcher Additive. Denn verursachten die "Wunderwässerchen" Schäden am Fahrzeug, könne das den Verlust der Garantie oder einen abgelehnten Kulanzantrag zur Folge haben.Über die Wirksamkeit der Zusätze herrscht Einigkeit: "Bei den allermeisten Produkten ist die psychologische Wirkung beim Fahrer deutlich stärker als die technische beim Fahrzeug", sagt Götz Michelmann vom Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität des TÜV Nord. "Wenn das funktionieren würde, wären die Verbindungen längst in handelsüblichen Motorölen oder im herkömmlichen Sprit enthalten."

Es gebe zum Beispiel nur wenige teflonhaltige Ölzusätze, die die Reibung der Motorkomponenten um kaum messbare Größenordnungen mindern können. "Die ohnehin nicht spürbare Mehrleistung und die in winzigem Maße höhere Haltbarkeit des Triebwerks sind die Kosten und Umstände definitiv nicht wert", so Michelmann.

"Wer hochwertige Markenöle verwendet und die Wechselintervalle einhält, braucht für seinen Fahrzeugmotor keine weiteren Öl-Additive", ist Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS überzeugt. Der Ingenieur rät Laien, sich bei der Wahl des Motoröls von Werkstätten oder im Fachhandel beraten zu lassen. Denn die Öle müssen den Vorgaben des Fahrzeugherstellers und den technischen Anforderungen eines Fahrzeugmodells entsprechen.

Auch Zusatzstoffe, die den Sprit aufpeppen sollen, hält Schuster für überflüssig: "Die modernen Treibstoffe enthalten bereits Additive, die die Verbrennung im Motor optimieren und das Kraftstoffsystem von Ablagerungen freihalten sollen." Technisch sei damit bereits für optimalen Verbrauch gesorgt.

Der ADAC empfiehlt daher statt obskurer Wundermittel den Besuch eines Spritspartrainings. Bei den meist eintägigen Veranstaltungen erlernen die Teilnehmer einen Fahrstil, durch den sie den Kraftstoffverbrauch ihres Fahrzeugs um bis zu 20 Prozent verringern können. Die regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks und der Verzicht auf unnötigen Ballast im Autokofferraum sind laut ADAC ebenfalls probate Mittel, um den Verbrauch zu zügeln.


dpa-Magazin / mag
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