Der Ohrensessel erlebt ein Revival

Der Ohrensessel "Grande Papilio" von B&B Italia als Rückzugsort in einem modern und großzügig eingerichteten Wohnraum. (Foto: B&B Italia)

Er ist der Inbegriff von Geborgenheit - so spricht die Wohnexpertin Katharina Semling aus Oldenburg über den Ohrensessel. "Man wird von dem Sessel in seine Arme, also die Lehnen, genommen. Der Kopf ist zwischen den Ohren geschützt." Aber was gemütlich ist, galt lange als bieder, konservativ, altbacken. Das ändert sich nun nach und nach. Eines der neuen Trendmöbel ist plötzlich der gute, alte Ohrensessel.

In ihn gekuschelt könne man sich in einem großen Zimmer eine Rückzugsecke schaffen - und genau das sei der Grund, warum die Wohndesigner ihn wieder auflegen. Ein Mensch brauche einen gemütlichen Platz im Haus. "Ich empfehle ihn daher besonders für Wohnungen mit viel Glas und offenem Grundriss", sagt Semling. Das Zuhause wird dann gemütlicher und eher mit altbekannten und daher geschätzten Stücken eingerichtet."Das sieht man etwa auch daran, dass die Möbel derzeit wieder runde und geschwungene Formen haben, die als gemütlich wahrgenommen werden. Sofas sind kokonartig", sagt Kaiser. Auch zu sehen ist es an den Vorbildern, die die Designer nun aufgreifen: Der biedere Perserteppich wird neu aufgelegt, Wandteller aus Omas Zeiten werden zur Dekoration, und gefragt sind Einflüsse aus dem Design der 1950er Jahre - auch damals wurde die Welt schon mal gemütlicher und heimeliger, weil die Menschen Geborgenheit nach dem Krieg brauchten.

Und so findet jetzt eben auch der Ohrensessel seinen Platz im Wohnraum. Aber er erlebt wie die oben genannten Stücke manchmal ein Make-over: Kare hat ein Modell mit kunterbuntem Patchworkstoff überzogen, das Modell "Grande Papilio" von B&B Italia wirkt eher puristisch und modern als altbacken und wuchtig. Der Sessel lässt sich zudem wie ein Bürostuhl drehen.

Viele Firmen haben Relaxsessel im Angebot - quasi der moderne Ohrensessel. Er ist wie FM Munzers Modell 5809 ähnlich geschnitten, hat dicke Lehnen und einen hohen und breiten Rücken. Aber ihm fehlen die Ohren. Viele Modelle haben auch nicht mehr das massive Aussehen des Stuhls: Sie wirken auf dünnen Füßen filigraner. "Grande Papilio" und auch das Model 5809 sind auf Taillenhöhe des Sitzenden dünner geschnitten. Auch so wirken sie weniger mächtig.

Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn erwartet, dass bald noch mehr Hersteller Ohrensessel ins Programm nehmen. "Die Designer begreifen endlich: Daraus kann man etwas machen." Dabei gibt es schon seit längerem Einzelmodelle auf dem Markt, bei denen der typische Stil des klassischen Ohrensessels spielerisch verändert wurde.


dpa-Magazin / mag
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