Designer-Küchentische als Objekte der Begierde

Ungewöhnliche Wege wollen die Designer von Demakersvan mit ihren Entwürfen einschlagen. (Foto: Demakersvan)

Gemälde, Statuen, wertvolles Porzellan oder vielleicht auch Autos sind Objekte, in die Sammler gerne ihr Geld stecken. Aber auch Möbelstücke gehören dazu - neuerdings ist es der Esstisch.

"Am Tisch verbringt man intensive Zeit des Nachdenkens oder versammelt Familie und Freunde zum gemeinsamen Speisen", erläutert Birgit Gebhard vom Trendbüro Hamburg. "Damit erhält das Möbel einen symbolischen, einen sinnstiftenden Wert."Für Tische namhafter Designer müssen Kunden einiges investieren: Sie kosten fünf- bis sechsstellige Summen. Dafür sind solche Tische oft Hingucker, wie die Stücke der Firma Established & Sons. Als sich das Unternehmen 2005 erstmals auf der Mailänder Möbelmesse präsentierte, wurde der Auftakt zu dem Gesprächsthema: Der fast vier Meter lange "Aqua Table" passte nicht durch die Tür der Location.

Kurzerhand organisierte die Crew einen Kran, ließ das Metalldach aufsägen, den Tisch ins Innere der ehemaligen Sporthalle hieven und das Dach flicken. Der Tisch, oder besser die Raumskulptur, ein Entwurf der Stararchitektin Zaha Hadid, scheint aber jegliche Masse zu leugnen: Er ist elegant geschwungen und wirkt nahezu schwerelos.

Eine ähnliche Faszination löst der "Surface Table" von Terence Woodgate und Formel-1-Ingenieur John Barnard aus, ebenfalls für Established & Sons. Sie entwarfen in einer Kombination von aktuellster Rennwagen- und Flugzeugtechnik ein hauchdünnes Etwas aus Carbonfasern: Die Platte des Tisches hat bei einer Länge von drei Metern gerade einmal eine Stärke von zwei Millimetern. Das ist fünfmal weniger als jedes annähernd vergleichbare Objekt. Ein weiteres Beispiel kommt aus Holland: "Wir lieben das Alte, aber wir wollen was Neues und auch scheinbar unmögliche Wege einschlagen", sagt Jeroen Verhoeven, Designer des Trios Demakersvan aus Rotterdam. Ein Beispiel ihrer Arbeit ist der "Cinderella Table": Es ist eine Neuinterpretation alter Stücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in dem sich Tisch und Kommode vermengen. Von vorne wirkt das Möbel kompakt, auf der Rückseite wirkt es hohl.

Um einzigartige und auserlesene Stücke geht es auch der Firma e15. "Trunk" ist ein circa vier Meter langer Tisch, der aus vier versetzt zusammengesetzten Nussbaum-Planken besteht. "Wir können genau zeigen, wo dieser Baum im baden-württembergischen Creglingen gestanden hat", sagt Susanne Günther von der Firma. Der Architekt Philipp Mainzer hat das Material so belassen, dass die Tischkanten den rohen, nur gebürsteten Rand des Baumstammes zeigen. Die Tischplatte liegt wie schwebend auf rohrförmigen Stahlbeinen auf.


dpa-Magazin / mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden