Porzellan für die Wand

Oma hat sie noch immer hängen, die Enkelin hat sich das nun abgeguckt: Wandteller werden wieder als Dekoration verwendet.

"Kaum zu glauben, aber das ist ein sehr auffälliger Trend", sagt Nicolette Naumann, Bereichsleiterin der Messe Frankfurt für die Konsumgütermesse Ambiente. "Das darf nicht mit dem Aufhängen von Sammeltellern von einst verwechselt werden. Die gibt es auch noch, aber dieser Markt wächst aktuell nicht. Was gerade junge Leute an die Wand hängen, sind persönliche Sammlungen."Die Teller haben dort den gleichen Zweck wie Bilder im Rahmen: Es wird gezeigt, wer man ist und was man gemacht hat. Die Stücke dürften sogar richtig kitschig sein und im Kontrast zur modernen Einrichtung stehen. Besonders dekorativ sind für die Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Weißdorf (Bayern) Stücke aus den 60er und 70er Jahren mit Retromotiven. "Unsymmetrisch auf einer einfach weißen Wand in einer hochmodernen Küche oder über einem modernen Sideboard aufgehängt, ist das ein toller Kontrast." Teller mit Blümchen und Vögeln machten sich auf pastellfarbenen Wänden gut.

Wer keine Erbstücke von Oma hat, kann in Souvenirshops suchen. Oder man nimmt schön verzierte Speiseteller, etwa alte Stücke vom Flohmarkt. Auch einzelne Unternehmen für Wohnaccessoires bieten neuerdings Wandteller an: Rice hat eine Auswahl an Tellern mit traditionellen Motiven wie einem tanzenden Paar in Tracht oder Blütenranken sowie Exemplare mit Fotografien und Retromustern.

Nicht Teller, aber Küchenzubehör nutzen andere Hersteller: Diamantini & Domeniconi hat aus Küchenschüsseln die Uhren "Catino" gebastelt, die kleinen Vasen von Thomas können wahlweise auf dem Tisch stehen oder mit Halterungslöchern an die Wand genagelt werden.

Warum es für die Enkel plötzlich schick ist, wie die Oma zu dekorieren, versucht Trendanalystin Kaiser so zu erklären: Kinder distanzieren sich gerne von ihren Eltern. "Daher haben Spießereltern Punkkinder oder Punks Spießerkinder." Die wollen sich auch ganz anders einrichten.

Von Omas Einrichtung waren die Kinder in der Regel aber nur bei Besuchen umgeben, darin leben mussten sie nicht. Und daher empfinden sie dafür anders: "Ich merke das an mir selbst: Sehe ich einen Wandteller, bewegt das etwas in mir. Ich assoziiere ihn mit meiner Großmutter und denke: Oh, wie schön. Die reich verzierten Teller wirken dann auch gar nicht spießig auf mich."


dpa-Magazin / mag
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