In manchen Bibliotheken gibt es öfter mal Stress

Eingang zur Bibliothek am Luisenbad. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Zoff und Streit in den öffentlichen Bibliotheken. Nicht jeder Besucher kommt zum Lesen. Der Bezirk Mitte hält jedoch nichts von einem Wachschutz.

Mitarbeiter der Helene-Nathan-Bibliothek in den Neukölln Arcaden klagen über unhaltbare Zustände. Sie haben Angst, weil sie immer öfter von Halbstarken bedroht werden. Die Bücherstube nutzen auch Drogendealer als Treffpunkt; außerdem gab es bereits Brandstiftungen, immer wieder Polizeieinsätze und sogar Sex auf den Toiletten. Das Bezirksamt Neukölln hat jetzt reagiert und postiert zum Schutz der Mitarbeiter und Besucher Sicherheitsleute in den beiden obersten Bibliotheksetagen des Shoppingcenters.

Auch in Mittes Bibliotheken gibt es bisweilen brenzlige Situationen. Die Probleme sind jedoch lange nicht so schlimm wie in Neukölln, sagt die stellvertretende Bibliotheksamtsleiterin Sigrid Tänzer. In der Philipp-Schaeffer-Bibliothek in der Brunnenstraße 181, die Tänzer leitet, hätten die Mitarbeiter zwar schon Drogenspritzen auf den Toiletten gefunden. Auch "ausrastende Leser" gibt es schon mal. "Einen Wachschutz brauchen wir aber hier nicht", sagt Tänzer. Bei größerem Stress wird die Polizei gerufen; die Wache ist ja gleich daneben. Schwieriger als in Mitte ist die Situation im Ortsteil Gesundbrunnen in der Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße 2. Leiterin Heidrun Hübner-Gepp sagt, dass es "phasenweise Stress gibt". Vandalismus, Diebstähle, Streit unter Jugendlichen, Beleidigungen von Mitarbeitern "kommt schon mal vor", so Hübner-Gepp. Alle Bibliothekare hätten interkulturelle Deeskalationstrainings absolviert, um richtig reagieren zu können. Ein Wachschutz löse die Probleme nicht, glaubt auch Hübner-Gepp. Es gab schon einmal eine Aufsichtskraft, die die Situation auch nicht verbessern konnte.

Damit vor allem die jugendlichen Besucher nicht auf dumme Gedanken kommen, fordert Heidrun Hübner-Gepp mehr Personal für die Betreuung und zusätzliche Projekte wie Vorleserunden. Ehrenamtliche machen so etwas bereits. Bei brenzligen Situationen rufen die Mitarbeiter die Polizei. Das sei aber selten der Fall. Wie vor ein paar Monaten, als ein Besucher einen erwachsenen Gast dabei beobachtet hatte, der mit einem Messer hantierte. Und im Dezember hat Hübner-Gepp das erste Mal in ihren sieben Jahren Tätigkeit in der Bibliothek am Luisenbad ein Hausverbot für einen jungen Mann ausgesprochen. Er soll eine Frau sexuell belästigt haben.


Dirk Jericho / DJ
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.