Blutschwämme sind selten schlimm

Circa eins von zehn Kindern kommt mit einem Blutschwamm zur Welt. (Foto: Grafik: dpa-infografik)

Einer von zehn Säuglingen kommt mit einem Blutschwamm zur Welt. Dabei handelt es sich um einen roten, schwammartigen Fleck am Körper. Dieser gutartige Tumor der Blutgefäße wird oft als Hämangiom bezeichnet.

Hat ein Kind mehrere Blutschwämme, sprechen Ärzte von einer Hämangiomatose. "Während der Schwangerschaft werden die Blutgefäße des Kindes angelegt. Bilden sich zu viele Blutgefäße mit ungeordneter Struktur an einer Stelle, entsteht ein Hämangiom", erklärt der Gefäßmediziner Prof. Norbert Weiss von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Ihr Aufbau sei ähnlich der einer Bienenwabe: Die Gefäße bilden eine wabenartige Struktur mit Hohlräumen dazwischen. Betroffen sind meistens Kopf und Hals des Kindes, weniger häufig gibt es Blutschwämme auf dem Rücken und den Organen. Besonders auf der Leber können sie sich bilden.Die Gefäßanomalie unterscheidet sich von Kind zu Kind: in der Größe und Anzahl der Flecken sowie im Verlauf. Die meisten Blutschwämme verschwinden noch im Kindesalter von selbst. Aber manchmal auch nicht. Mehrere Hämangiome verhalten sich vollkommen unterschiedlich - selbst, wenn sie am selben Kind sind. Ob ein Blutschwamm also verblasst, anfängt zu wuchern oder einfach so bleibt, wie er ist, kann im Vorfeld niemand sagen. Gerade diese unvorhersehbare Entwicklung macht es Eltern schwer, sich für oder gegen eine sofortige Behandlung zu entscheiden. Die Dermatologin Uta Schlossberger aus Köln rät Eltern betroffener Kinder abzuwarten. Denn nötig ist eine Therapie nur in manchen Fällen, etwa wenn der Blutschwamm besonders groß ist oder schnell wächst. Am häufigsten sind jedoch kleine Hämangiome, die sich meist komplett zurückbilden.

Laser hat sich bewährt

Am gängigsten ist die Laserbehandlung. "Die Energiezufuhr durch den Laser sorgt dafür, dass sich die Gefäße entzünden, verkleben und schließlich vernarben", erklärt Prof. Weiss das Vorgehen. Durch die Vernarbung kann kein Blut mehr durch die Gefäße fließen - der Schwamm verblasst und verschwindet. Eine Kryotherapie, also das Vereisen des Hämangioms, funktioniert ähnlich. Nur in Einzelfällen greifen Mediziner zum Skalpell. Zum Beispiel, wenn der Blutschwamm das Auge behindert oder so an der Lippe liegt, dass er das Essen erschwert.

Neben den medizinischen Faktoren spielt gerade bei großen Hämangiomen auch der psychologische Aspekt eine wichtige Rolle. Sitzt der rote Schwamm etwa auf der Nasenspitze des Kindes, ist Spott schon im Kindergarten programmiert. "Das häufigste Leid von Kindern mit Blutschwämmen sind die Hänseleien", erklärt der Psychologe Henrik Berth vom Universitätsklinikum Dresden. Ab einem gewissen Alter spricht das Kind auch darüber.


dpa-Magazin / mag
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