Duftstoffe in Läden machen Allergikern Probleme

Unsichtbar und doch überall: Duftstoffe werden von Marketingstrategen gezielt eingesetzt, um das Kaufverhalten zu beeinflussen. (Foto: Peter Steffen)

Düfte begegnen einem im Alltag überall. Duftstoffe künstlichen oder natürlichen Ursprungs werden etwa in Geschäften eingesetzt. Wenn Verkaufsstrategen den Geruchssinn ins Visier nehmen, heißt das Neuromarketing.

"Grundsätzlich sollen Düfte einen für die Marke charakteristischen Geruchseindruck vermitteln und die positiven Eigenschaften eines Produktes verstärken", heißt es bei Vertretern der Herstellerfirmen. Doch nicht jeder Mensch kommt damit gut klar. "Duftstoffe stehen im Allergieranking nach den Metallen auf Platz zwei. Sie spielen für uns eine große Rolle", erläutert Prof. Thomas Fuchs von der Uniklinik Göttingen und Vorstandsmitglied im Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Wer zum Beispiel in einem Geschäft beduftete Luft einatme, habe damit einen sogenannten aerogenen Hautkontakt: Die Duftmoleküle berühren nicht nur die Haut, sondern beim Einatmen auch die Schleimhäute der Atemwege. Und das macht dem Allergologen Sorgen: "Je früher und öfter man mit potenziell allergieauslösenden Stoffen in Kontakt kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu bekommen", sagt er.Auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) kritisiert die Beduftung von Innenräumen. "Wir bekommen verstärkt Rückmeldung von Betroffenen, dass Duftstoffeinsatz negativ auffällt", erläutert die Chemikerin Sylvia Pleschka vom DAAB. Das reicht von Beschwerden über Unwohlsein bei den oft sensibel reagierenden Allergikern bis hin zu Berichten über echte Atemprobleme bei Asthmatikern.

Wer an Asthma leidet oder aufgrund von Allergien erfahrungsgemäß empfindlich auf belastete Luft reagiert, dem bleibt nicht viel übrig, als in die saubere Außenluft zu flüchten. Unwohlsein, Husten, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme sind laut Pleschka Anzeichen für einen drohenden Asthmaanfall. Auch bei Allergien muss als erstes saubere Luft her. "Ein handelsüblicher Mundschutz hilft Allergikern nicht", sagt Fuchs.

Sensible Menschen müssen Geschäfte mit besonders dicker Luft zur Not meiden und zum Beispiel auf deren Onlineshops ausweichen. Denn rechtlich ist dem Duftstoffeinsatz in Geschäften kaum eine Grenze gesetzt. Während es für Lebensmittel, Kosmetika und auch für die Beduftung von Spielzeug Richtlinien gibt, kann in Innenräumen unkontrolliert versprüht werden, was nicht giftig ist.


dpa-Magazin / mag
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