Eine Laune der Natur: Das Phänomen der "Leichenfingerkrankheit"

Ist das kalt! Was manche die Hände nur zurückziehen lässt, sorgt bei vom Raynaud-Phänomen Betroffenen dafür, dass sich die Gefäße zusammenziehen und die Blutzirkulation zum Stillstand kommt. Die Folge: Weiße Finger. (Foto: Arno Burgi)

Meist ist ein Kältereiz der Auslöser: der eisige Wind an einem Wintertag, kaltes Wasser aus dem Wasserhahn oder die Minustemperaturen in der Tiefkühltruhe.

"Dieser Reiz führt dazu, dass sich die Gefäße in den Fingern, seltener auch in den Zehen, zusammenziehen und die Blutzirkulation zum Stillstand kommt", sagt Clemens Fahrig, Leiter des Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg. Das Ergebnis: weiße Finger. Sie sind das typische Symptom des Raynaud-Phänomens.

"Leichenfingerkrankheit" wird es deshalb auch genannt, obwohl es gar keine Krankheit ist, sondern eher eine Laune der Natur. Manchmal dauert der Gefäßkrampf wenige Minuten, manchmal mehrere Stunden. Zunächst sind die Finger kalt und taub. Kehrt das Blut in die Äderchen zurück, kann es kribbeln und schmerzen. Die Symptome sollte man am besten ärztlich abklären lassen, um auszuschließen, dass eine entzündliche Autoimmunerkrankung dahinter steckt. Die sogenannte Sklerodermie führt zu Verhärtungen der Haut und kann auch innere Organe angreifen – sie ist aber selten. Früh erkannt könne dem Verlauf und möglichen Komplikationen entgegengewirkt werden.

Oft tritt das Raynaud-Phänomen in der Pubertät zum ersten Mal auf. Neben Kälte können Aufregung, Stress und manche Medikamente wie Betablocker die Auslöser sein. Über die Ursachen weiß man bislang wenig. Ein niedriger Blutdruck scheine eine Rolle zu spielen, sagt Fahrig. Wirksamstes Gegenmittel ist Wärme. "Die Hände dürfen gar nicht erst kalt werden." Handschuhe sollten deshalb schon in der Wohnung angezogen werden. Bewährt habe sich das Zwiebelprinzip: Über dünne Seidenhandschuhe, die am besten auf der Heizung aufgewärmt werden, kommen winddichte Modelle mit Klimamembran.

Eine High-Tech-Alternative sind beheizbare Handschuhe. Die Gesundheitsjournalistin Karin Hertzer aus München hat für ihren Blog "Warmup-Cooldown" mehrere Modelle von Raynaud-Betroffenen testen lassen. Die von einem Akku gespeisten Heizdrähte sorgten tatsächlich für warme Hände, berichtet sie, allerdings sei nicht jedes Modell für jeden Einsatzbereich geeignet: "Wenn die Handschuhe sehr dick sind, schränkt das die Beweglichkeit der Finger ein." Wichtig ist auch die richtige Passform: "Das warme Material sollte eng an der Haut anliegen, um die Hitze ohne Verluste zu übertragen."

Sind die Finger schon kalt und blutleer, ist die Versuchung groß, sie unter warmes Wasser zu halten. Doch mit dem Blut ist auch die Hitzeempfindlichkeit aus den Fingern gewichen: "Es drohen deshalb Verbrühungen durch zu heißes Wasser", warnt Gefäßspezialist Fahrig. Das Raynaud-Phänomen plagt vor allem junge Frauen. "Wenn mit zunehmendem Lebensalter der Blutdruck steigt, kann es besser werden oder sogar ganz verschwinden", sagt Fahrig. mag
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