Hörsturz von einem Facharzt rasch behandeln lassen

Unerträgliche Alltagsgeräusche und zugleich das Gefühl, verstopfte Ohren zu haben - so kann sich ein Hörsturz bemerkbar machen. (Foto: Andrea Warnecke)

Wer auf einmal auf einem Ohr nichts mehr hört, könnte einen Hörsturz erlitten haben. Experten sprechen davon, wenn sich keine anderen Gründe wie eine Mittelohrentzündung oder ein Knalltrauma für den plötzlichen Hörverlust finden lassen. Innerhalb von Sekunden oder Minuten ist im Innenohr das Hörvermögen gemindert.

Für die Ursachen gibt es eine große Anzahl theoretischer Erklärungsversuche. "So werden im Bereich der Innenohren Sauerstoffmangel oder Stoffwechselstörungen vermutet ebenso wie Durchblutungsstörungen in engen Blutgefäßen", sagt Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Hoher Blutdruck, hohe Cholesterin- und Fettwerte sowie Diabetes scheinen einen Hörsturz zu begünstigen. "Sicherlich besteht auch ein Zusammenhang zwischen Stress und Hörsturz, aber das hängt von der Fähigkeit der einzelnen Menschen ab, mit Belastungssituationen umzugehen", erläutert Prof. Karl Hörmann von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie in Bonn. "In der Regel ist der Hörsturz ein einmaliges Ereignis, aber bei wenig belastbaren Menschen kann sich das Innenohr zum Stressorgan entwickeln, so dass ihre Hörkurve bei größeren Anspannungen immer wieder absinkt."

Am häufigsten tritt ein Hörsturz um das 50. Lebensjahr auf, wobei die Hörminderung unterschiedlich stark ausfallen kann. Begleitende Symptome können Tinnitus und Schwindel sein. Wer Veränderungen beim Hören bemerkt, sollte schnell einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. "Die Heilungschancen sind am größten, wenn man innerhalb der ersten drei Tage handelt", sagt Hörmann.

Da die Ursachen unklar sind, gibt es auch keine vollständig erwiesenen Therapiemöglichkeiten. "Einen hohen Stellenwert hat heute die Behandlung mit Kortison, das zu den körpereigenen Hormonen zählt und theoretischen Überlegungen zufolge Entzündungen und Schwellungen im Innenohr bekämpfen soll", erklärt Deeg. Infusionen, die den Blutfluss verbessern sollen, sind eine weitere Behandlungsmöglichkeit, die vor allem früher angewandt wurde. Speziellere Therapien wie eine Art Blutreinigung oder die hyperbare Sauerstofftherapie kommen nur infrage, wenn die erste Behandlung nicht anschlägt.

Liegt der Hörsturz vor allem an Stress oder bleiben Restsymptome wie Tinnitus und Schwerhörigkeit bestehen, reicht eine medizinische Behandlung allein nicht aus. "Eine begleitende Verhaltens- und Psychotherapie und das Erlernen von Entspannungsübungen kann Betroffenen sehr weiterhelfen", sagt Bärbel Bonorden aus Goslar. Sie leitet eine Selbsthilfegruppe, die sich auch an Hörsturz-Betroffene richtet und in der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) organisiert ist.

Weiterführende Informationen unter www.hno-aerzte-im-netz.de.

dpa-Magazin / mag
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