Tibetische Medizin hat eine lange Geschichte

Mönche gehören in Tibet seit Jahrhunderten zum Alltag – auch die Traditionelle Tibetische Medizin kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. (Foto: Daniel Reinhardt)

Sie ist 3000 Jahre alt und wird in Tibet an Universitäten gelehrt: Die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) ist ein medizinisches System mit ganzheitlichem Ansatz, ähnlich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Das heißt, es wird nicht nur ein Symptom wie Husten behandelt, sondern der Mensch als Ganzes gesehen.

Grundlage ist die Konstitutionslehre gemäß der drei Körperenergien Wind (tibetisch Lung), Galle (Tripa) und Schleim (Päken). Frank Ludwig ist Allgemeinmediziner, ausgebildet in der TTM und wendet diese in seiner Praxis in Berlin an. Er erklärt grob die Konstitutionstypen: Der Schleimtyp neige zu Übergewicht, sei eher ein ruhiger und langsamer Geselle. Der Windtyp ist schlank, sehr aufmerksam, nervös und unruhig, außerdem kreativ. Sehr zielorientiert, angespannt und athletisch zeigt sich der Galletyp.

Die TTM ist der Auffassung, dass jeder Mensch von Geburt an die drei Energien in sich hat, dass sie in einem individuellen Verhältnis stehen – aber eine Energie meist stärker ausgeprägt ist. Der Mensch hat also konstitutionelle Stärken und Schwächen. Kommt diese individuelle Zusammenstellung aus dem Lot, entstehen Krankheiten.

Ursache für ein Ungleichgewicht soll ein Mangel oder ein Übermaß einer Energie sein. "Eine Störung kann zum Beispiel auftreten durch einen falschen Lebenswandel wie Stress oder eine Ernährung, die nicht dem eigenen Typ entspricht", sagt die Heilpraktikerin Grütte, die Erste Vorsitzende der Akademie für Traditionelle Tibetische Medizin in Heidelberg ist. Den findet der TTM-Kundige beim Gespräch mit dem Patienten heraus, den er zum Beispiel nach Gewohnheiten, Lebensumständen und Ernährung befragt.

Dann kommt die Pulsdiagnose: Der Mediziner tastet an bestimmten Stellen des linken und des rechten Armes den Puls. Die Pulsqualität an verschiedenen Stellen soll Aufschluss über den Zustand der Organe und über Störungen der Energien geben. Anamnese sowie Pulsdiagnose sollen dem Mediziner eine exakte Diagnose und die Behandlung ermöglichen.

Äußerliche Anwendungen kennt die TTM ebenfalls, etwa spezielle Formen des Schröpfens oder Massagen. Darüber hinaus werden Kräutermischungen, zu Pillen gedreht, empfohlen. Sie sollten nie ohne Absprache mit einem TTM-Kundigen eingenommen werden. Denn auch vermeintlich harmlose Kräuter haben eine pharmakologische Wirkung.

"Es wird argumentiert, dass solche Verfahren schon seit Jahrhunderten funktionieren", sagt Prof. Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums. Er bezweifelt, dass die Verfahren etwas bewirken. "Es gibt nicht einen wissenschaftlichen Beweis dafür."
dpa-Magazin / mag
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