Tränennasenwege können verschlossen sein

Tränen können bei Kindern auf verschlossene Tränennasenwege hindeuten. (Foto: Silvia Marks/dpa/mag)

Tränen bei Kleinkindern sind nicht immer Ausdruck von Wut, Traurigkeit oder Verzweiflung. Es kann auch eine körperliche Ursache dahinter stecken: zum Beispiel, weil Tränenwege stark verengt oder verschlossen sind. Das kann zu dauerhaften Entzündungen führen.

Verengte oder verschlossene Tränennasenwege treten bei rund sechs Prozent aller Säuglinge auf. Diese sogenannte Tränenwegsstenose ist angeboren. Eltern falle auf, dass Tränen über die Wangen ihres Kindes laufen, sagt Falk Sommer, Oberarzt an der Uni-Augenklinik in Dresden. Die Tränen können im Auge nicht ablaufen, weil der Übergang der Tränenwege zur Nase durch ein dünnes Häutchen, die sogenannte Hasner-Membran, verschlossen ist.Die Membran sollte sich eigentlich vor der Geburt oder wenige Tage danach zurückbilden. Passiert das nicht, staut sich die Flüssigkeit im Tränenkanal. In der Sackgasse sammeln sich schnell Bakterien, es kommt leicht zu Entzündungen, wie Prof. Christian Ohrloff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Vereinigung deutscher Augenärzte, erklärt.

Die Babys bekommen gerötete Augen, gelbliches Sekret kann sich bilden, die Augen sind morgens verklebt. Werden diese Entzündungen nicht behandelt, können sie chronisch werden. Gegen die Entzündung selbst helfen Salben oder antibiotische Tropfen.

Bei der Ursache - der Tränenwegsstenose - warten die Ärzte erst einmal ab, ob sich die Tränennasewege von alleine öffnen. Laut Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands, besteht die Hoffnung, dass sich das Problem löst, wenn der Kinderkopf wächst. Eltern betroffener Kinder bekommen häufig den Rat, in den ersten ein bis drei Lebensmonaten den Tränengang des Babys vorsichtig zu massieren. "Das Gewebe ist noch sehr weich", erläutert Sommer. Durch eine sanfte Massage von oben nach unten könne sich die Hasner-Membran öffnen.

Passiert das nicht, kann der Verschluss in einer kurzen, ambulanten Operation geöffnet werden. Entweder führt der Arzt eine Sonde ein und spült den Tränenweg frei. Oder die Membran wird durchstoßen. Über den idealen Zeitpunkt dieses Eingriffs gibt es unterschiedliche Ansichten. Eckert rät, zu warten, bis das Kind sechs bis zwölf Monate alt ist. Man könne sich über die Zeit retten, indem man entzündungshemmende Salben gibt.

Falk Sommer von der Uni Dresden empfiehlt die Operation dagegen bereits zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat des Babys. Je früher der Eingriff, desto größer seien die Erfolgschancen. In diesem Alter lägen sie bei mehr als 90 Prozent. Bei älteren Kindern werde es schwieriger, mit einer Sonde zu arbeiten. Das Gewebe sei fester, es bestehe eher die Gefahr, dass man den kleinen Patient verletzt.


dpa-Magazin / mag
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