Verdrängte Gefühle führen häufig zum Frustessen

Statt unkontrolliert zu stopfen, sollte man sich lieber mit Musik oder einem Spaziergang ablenken. (Foto: Andrea Warnecke/dpa/mag)

Negative Gefühle verleiten oft zum Griff nach Schokolade, Burger oder Chips. Dann folgt aber meist das schlechte Gewissen: Denn gesund sind diese Kalorienbomben bekanntlich nicht. Dass man Heißhunger auf Karotten, Kohlrabi oder Äpfel entwickelt, ist dagegen so gut wie ausgeschlossen.

Ein kleiner Trost: Frustesser sind nicht alleine. "Jeder hat die Veranlagung, Langeweile oder Frustration kompensieren zu wollen", sagt der Psychologe und Psychotherapeut Michael Schellberg aus Hamburg. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder im Schokorausch schwelgt. Zu den deutlichen schlimmeren Alternativen zählen Alkohol und Rauchen. Manche Menschen versuchen, durch Essen Gefühle wie Angst und Unsicherheit zu dämpfen. Nahrung wird dadurch zum Beruhigungsmittel. "Es hungert nicht der Körper, sondern die Seele", bringt es Maria Sanchez, Heilpraktikerin für Psychotherapie, auf den Punkt. Sie gibt seit mehreren Jahren Seminare über emotionales Essen. Ihr Tipp: mehr auf den eigenen Körper hören, ihn achten und sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzen.Das rät auch der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop aus Hofheim bei Frankfurt am Main. Sein Tipp: zunächst einmal spüren, wie sich echter körperlicher Hunger überhaupt anfühlt. Dies hätten viele Menschen verlernt. "Er ist ganz anders als ein seelischer Hunger", sagt er. Wenn der Körper satt ist und doch die Lust aufs Essen kommt, sollten nicht Schokolade und Chips folgen, sondern die Frage: Was verdränge ich gerade mit dem Essen? Ein weiteres Indiz für Frustessen: Die Speise wird nicht langsam gegessen und genossen, sondern hineingeschlungen.

Knop rät, sich abzulenken, bis der Heißhungeranfall vorbei ist. Das kann Musik hören, ein Spaziergang oder wenigstens Hin- und Herlaufen im Büro sein. Sanchez hat sogar spezielle Übungen entwickelt, die helfen sollen. Zum Beispiel, dem Feind direkt ins Auge zu blicken. Dazu legt man das gewünschte Lebensmittel geöffnet vor sich hin und achtet dann auf die körperlichen und seelischen Reaktionen. Damit macht der Fast-Frustesser innerlich einen Schritt zur Seite, beobachtet die Situation aus der Distanz und ist so seinen Gefühlen nicht ausgeliefert. Irgendwann soll das Gefühl verschwinden, jetzt unbedingt etwas essen zu müssen. Auf längere Sicht taucht es laut Sanchez dann gar nicht mehr auf.

Literatur: Uwe Knop: "Hunger & Lust", Books On Demand, 240 Seiten, 18,20 Euro, ISBN 9783839175293; Maria Sanchez: "Sehnsucht und Hunger", Envela, 188 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 9783981330847.

dpa-Magazin / mag
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