Bei Zwist im Büro möglichst schnell die Aussprache suchen

Rasseln zwei Kollegen im Büro lautstark aneinander, hilft am nächsten Tag oft nur ein klärendes Gespräch. (Foto: Britta Pedersen/mag)

Sticheleien, hämische Witze hinter dem Rücken oder offene Anfeindungen: Konflikte am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Schließlich treffen dort auf engstem Raum jeden Tag die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Friede-Freude-Eierkuchen ist da oft nur eine Wunschvorstellung.

"Eigentlich geht man Menschen, mit denen man Streit hat, aus dem Weg", sagt Karriereberater Martin Wehrle aus Jork bei Hamburg. "Im Büro geht das nicht. Im Gegenteil, man muss mit ihnen reden. Das führt zu großer Anspannung. Manchmal kommt es zu Explosionen."Das Belastende an Konflikten ist, dass dabei Emotionen im Spiel sind. "Man ist wütend, aufgebracht, verletzt", weiß Konfliktberaterin Ursula Wawrzinek aus München. "Das bringt uns aus der inneren Ruhe und strengt uns an." Einen Kollegen zu ignorieren, sei auch keine Lösung. "Es ist ebenfalls anstrengend, wenn man sich innerlich zurückzieht, um jemand anderes zu meiden."

Für Konflikte kann es mehrere Ursachen geben. "Häufig fühlt sich einer von einem Kollegen schlecht behandelt oder hat das Gefühl, dass er ihm etwas vorschreiben will, obwohl er gar nicht der Chef ist", sagt die Konfliktberaterin. Hinzu kommen unterschiedliche Auffassungen über Arbeit, Werte, Pünktlichkeit oder Freundlichkeit. "Einige ärgern sich zum Beispiel, wenn ein Kollege morgens nicht grüßt - andere ärgern sich darüber, dass er erst einmal einige Minuten braucht, um wirklich alle Kollegen zu begrüßen."

Damit es allerdings gar nicht erst so weit kommt, sollte man die Konflikte rechtzeitig angehen. "Die Lösung hängt von der Eskalationsstufe ab", erklärt Diplom-Psychologe Hans Peter Dogge aus Zürich. "Wer mit einem Kollegen in Konkurrenz steht, aber noch halbwegs normal miteinander redet, sollte sich nach einem eigenen Fehlverhalten entschuldigen oder ruhig eine offene Aussprache suchen."

Ist der Konflikt schon eine Stufe weiter, redet man meist nur noch wenig oder gar nicht mit dem anderen und sieht den anderen häufig als Gegner an. "Auch dann hilft eine offene Aussprache, auf die man sich vorbereiten sollte", sagt Dogge, der viel in der Unternehmensberatung und im Führungstraining arbeitet. "Dafür sollte man sich klar machen, dass zu einem Konflikt immer zwei gehören - auch ich habe einen Anteil daran!" Deswegen müsse man selbst bereit sein, etwas zu ändern und dem anderen einen Schritt entgegen zu kommen.


dpa-Magazin / mag
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