Jedes vierte Arbeitsverhältnis betroffen

Die Karriereleiter steil nach oben: Doch viele scheitern schon in der Probezeit. (Foto: Franziska Koark)

Das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen, der neue Arbeitsvertrag ist unterschrieben - spätestens jetzt lassen die meisten die Sektkorken knallen. Doch Experten warnen: Mit der Unterschrift unter dem Vertrag ist der neue Job noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Erst muss man noch die meist sechsmonatige Probezeit überstehen - und daran scheitert mittlerweile jedes vierte Arbeitsverhältnis, schätzen Experten wie der Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin. "Das erste halbe Jahr ist ein Schleudersitz", erklärt er. "Man kann da ohne große Begründung jederzeit nach Hause geschickt werden." Und Stolperfallen gebe es gerade in den ersten Monaten jede Menge.

Sechs Monate

So richtig beginne die Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz deshalb erst am ersten Arbeitstag, findet Martin Wehrle. "Das Vorstellungsgespräch ist eigentlich nur Vorgeplänkel", sagt der Karriereberater aus Appel bei Hamburg. Entscheidend sei deshalb, die ersten Tage, Wochen und Monate in einem neuen Unternehmen sehr bewusst anzugehen. Es gehe darum, sich über die Aufgaben, die Kollegen und die Vorgesetzten im Umfeld zu orientieren. "Wer sich sofort überall einmischt, wird von den Kollegen und Vorgesetzten schnell als Feind wahrgenommen."

Die größte Herausforderung am Anfang ist, es allen recht zu machen. Der Chef erwartet, dass man fachlich tolle Leistungen liefert, ohne aber gleich alles auf den Kopf zu stellen. Die Kollegen hoffen, dass der Neue ihnen Arbeit abnimmt - man darf sie aber auch nicht als Faulpelze dastehen lassen. Konkret heißt das: Man sollte sich schon reinhängen und abends nicht als Erster nach Hause gehen. Aber man sollte auch nicht der Allerletzte sein, der abends Feierabend macht.

Vor allem braucht man möglichst schnell ein Netzwerk. "Wer es wirklich gut machen will, der legt eine Kollegen- und Chefdatei an", sagt Christian Püttjer, Karriereberater in Bredenbek in Schleswig-Holstein. "Wichtig ist es, das System und seine Strukturen zu durchschauen. Von wem kriege ich Informationen? Wer trifft die Entscheidungen?" Ein solches Netzwerk helfe auch dabei, sich regelmäßig Feedback geben zu lassen und so Probleme früh zu erkennen.


dpa-Magazin / mag
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