Bildhauer Rembrandt Bugatti in der Alten Nationalgalerie

Erst nach Rembrandt Bugattis Tod wurde sein "Kleiner dressierter Elefant" von 1903 berühmt: als Kühlerfigur für Bruder Ettores "Royale". (Foto: KEN)
Berlin: Alte Nationalgalerie |

Mitte. Die Alte Nationalgalerie beherbergt ungewohnte und ungewöhnliche Gäste: Geier, Flamingos, Panther und Paviane, Elefanten, Ziegen, Kühe, Schafe, Pferde, Rehe, Emus. Heimische und exotische Tiere. Zootiere, um genau zu sein. Im Augenblick des Sprungs, des Schreitens oder des Verharrens festgehalten und in Bronze gegossen.

Geschaffen hat sie ein Künstler, dessen Familienname eher mit einer legendären Automarke in Verbindung gebracht wird: Rembrandt Bugatti. Der junge Mann, der stets in Anzug, mit Fliege und Hut sein Pensionszimmer verlässt, hat nur ein Ziel: den Zoo, zuerst in Paris, dann in Antwerpen.

Da sitzt er dann innerhalb oder außerhalb der Öffnungszeiten stundenlang vor oder in den Gehegen auf einem Klappstuhl, vor sich ein Dreibeintisch, der ihm bis zur Brust reicht. Unter freiem Himmel formt Rembrandt mit dem gerade erfundenen Werkstoff Plastilin vor dem Modell in einem einzigen Arbeitsgang seine Figuren. Die Tiere sind seine Freunde, unter den Menschen fühle er sich oft wie in einer "Wüste zwischen Wilden", soll er gesagt haben. Und die Tiere sind beinahe sein ausschließliches Motiv. Über 300 Plastiken entstehen. Bugatti ist der erste europäische Künstler, der Exoten darstellt.

Für die weltweit erste große Retrospektive dieses zu seinen Lebzeiten bekannten und auch erfolgreichen, zwischenzeitlich vergessenen und nun wieder entdeckten Rembrandt Bugatti haben die Ausstellungsmacher Anke Daemgen und Philipp Demandt mehr als 100 Bronzen, Zeichnungen und Dokumente zusammen getragen.

Rembrandts Lebens- und Schaffenszeit war leider nur kurz. 1884 wird er in eine Künstlerdynastie hineingeboren. Großvater Giovanni ist Bildhauer, Vater Carlo entwirft verrückte Möbel. Sein Bruder Ettore wird die edelsten Automobile seiner Zeit bauen.

Die Familie verkehrt mit bildenden Künstlern und Musikern. Ein guter Nährboden also für das junge Talent, das früh entdeckt und gefördert wird. Eine Kunstakademie hat Rembrandt Bugatti übrigens nie besucht.

Der Weg zum Erfolg ist geradlinig - bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Kunstmarkt bricht ein. Antwerpen wird von den Deutschen besetzt, der Zoo wird geschlossen. Die Tiere, Bugattis "tägliche Freunde", müssen wegen Futterknappheit oder fehlenden Betreuungsmöglichkeiten getötet werden. Als Sanitäter beim belgischen Roten Kreuz sieht der Künstler die grausamen Folgen des Krieges. Zu den Seelenqualen gesellen sich eine Rippenfellentzündung und eine Tuberkulose. Am 8. Januar 1916, nach der Ausreise aus Antwerpen und einem Aufenthalt in Italien wieder in Paris, nimmt sich Rembrandt Bugatti mit 31 Jahren in seinem Atelier das Leben.

"Rembrandt Bugatti", bis 27. Juli, Alte Nationalgalerie, Museumsinsel, Bodestraße 1-3, Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend und Sonntag, 10-18 Uhr, Donnerstag, 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.


Karen Noetzel / KEN
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