Bezirk will ein Fünftel im Jugendbereich streichen

Wedding. Nach Monaten trügerischer Stille geht jetzt wieder die Angst in den Jugendeinrichtungen um.

Das Bezirksamt hat vergangene Woche beschlossen, 577 000 Euro für 2013 im Jugendbereich zu streichen. Das hat Jugendstadtrat Ulrich Davids (SPD) dem Jugendhilfeausschuss (JHA) mitgeteilt. Die Kürzungen betreffen 17 Prozent des Gesamtetats, mit dem das Jugendamt derzeit 50 Projekte im Bereich der freien Jugendarbeit fördert. Erst im Frühjahr hatte der JHA einen Kahlschlag im Jugendbereich abgelehnt. Damals standen Schulstationen an mehreren Schulen, das Probenhaus Werk 9, der Schulgarten Moabit und Dutzende andere Projekte von Freien Trägern auf der Streichliste. Der JHA hat vergangene Woche Davids Streichpläne "angesichts einer bereits bestehenden Unterversorgung als undurchführbar" abgelehnt. Der JHA habe zudem eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die eine Organklage gegen das Bezirksamt oder den Senat prüft, wie JHA-Vorsitzender Florian Schwanhäußer (CDU) sagt. Welche Klubs auf der amtsinternen Streichliste stehen, wollte Davids im Jugendhilfeausschuss noch nicht sagen. Zur Disposition stehen jedoch mehr Projekte als vor ein paar Monaten. "Damals ging es insgesamt um über 200 000 Euro", so Schwanhäußer. Der Bezirk wollte zum Beispiel in diesem Sommer zwei Einrichtungen schließen, die zusammen jährlich 174 500 Euro bekommen. Das waren das Werk 9 (150 000 Euro) und der Schulgarten Moabit. Nach Protesten wurden die Kürzungspläne zurückgenommen. In den Einrichtungen beginnt jetzt wieder das große Zittern. Vor allem die vielen Angestellten bei den Freien Trägern haben Angst, ob sie nach Weihnachten noch einen Job haben. Weil bis jetzt kein Träger weiß, ob er auf der Streichliste steht, müssten die Träger allen Mitarbeitern wegen der Kündigungsfrist vorsorglich zum 31. Dezember kündigen, wie Kinderschutzbund-Chefin Sabine Walther im JHA sagte. "Das ist eine große psychische Belastung für die Leute", so Schwanhäußer. Diesem Stress seien jetzt auch wieder die Kinder und Jugendlichen ausgesetzt.


Dirk Jericho / DJ
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