FEZ Wuhlheide zeigt die Ausstellung "Sag, was war die DDR?"

Zur Erinnerung erhalten die Besucher Pionierausweise. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Wer heute die 8. Klasse besucht, hat die DDR nie erlebt. Pionieraufmärsche und Fahnenappelle kennt er höchstens aus Erzählungen der Eltern oder Filmen wie "Goodby Lenin". Die für Kinder und Jugendliche konzipierte Ausstellung "Sag, was war die DDR?" im FEZ Wuhlheide will geschichtliche Fakten vermitteln.

Zu sehen war die Ausstellung bereits an gleicher Stelle zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009. In Berlin und danach unter anderem in Erlangen, Hannover und Hofheim (Taunus) haben bisher 60 000 Besucher die Mitmachausstellung gesehen. "Da inzwischen die nächste Schülergeneration nachgewachsen ist, haben wir uns entschlossen, die Ausstellung noch einmal zu zeigen", sagt Marion Gusella vom FEZ.Wer die Ausstellung besucht, kann in das frühere Leben in der DDR regelrecht eintauchen. Pionierhemden und rote und blaue Halstücher laden zum Verkleiden ein. Dann erfahren die Besucher, welche Bedeutung die Kinder- und Jugendorganisationen in der DDR hatten. Sogar einen nachgedruckten Pionierausweis gibt es zur Erinnerung. "Ich habe von meinen Eltern gehört, dass es Pioniere gab. In der Schule haben wir nicht speziell über die DDR, sondern allgemein die Nachkriegszeit gesprochen", erzählt Natalie (13). Sie ist mit ihren Klassenkameraden des Biesdorfer Otto-Nagel-Gymnasiums zur Eröffnung der Ausstellung gekommen. Jenny, ebenfalls aus der 8. Klasse, war bereits im DDR-Museum in Mitte. "Dort habe ich den Trabi bestaunt. Meine Eltern hatten früher so ein Auto", erzählt sie.

Eine der Grundlagen der Ausstellung sind echte Tagebücher von Kindern und Jugendlichen, die in der DDR aufgewachsen sind. Die Aufzeichnungen verkörpern einen breiten Schnitt durch die Gesellschaft im Osten Deutschlands bis zum Wendejahr 1989. Da ist der Freundschaftsratsvorsitzende Uwe, der später unbedingt Mitglied der Partei der Arbeiterklasse (SED) werden möchte. Und da ist die Handballerin Katrin, die an der Jugendsportschule trainiert und sogar in den Westen reisen darf. Im Kontrast dazu steht Angela, die als Punkerin nur wegen eines Gedichts in einem persönlichen Tagebuch verhaftet wird und als 16-Jährige sieben Wochen in Untersuchungshaft verbringt. Mehrere der Tagebuchschreiber stehen für Zeitzeugengespräche zur Verfügung.

Beim Rundgang durch die Ausstellung gibt es weitere Erlebnisbereiche. So kann mit Bausteinen und Spielzeugkran am Wohnungsbauprogramm der DDR mitgearbeitet werden oder in einem Büro ein Stasibericht in die Schreibmaschine getippt werden. Eine Antwort auf den Titel "Sag, was war die DDR?" gibt es übrigens nicht. Ob sie nun ein nicht eingelöster Traum von Gerechtigkeit oder einfach nur ein Unrechtsstaat war, die Antwort darauf müssen die Besucher schon selbst finden.

Zu sehen im Kindermuseum des FEZ, Straße zum FEZ 2, noch bis Anfang Juli 2014. Einzelbesucher und Familien sind freitags von 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 13 bis 19 Uhr und sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr willkommen, Eintritt 3,50 Euro, das Familienticket kostet 11,50 Euro. Gruppen sind dienstags bis freitags jeweils um 9, 11, 13 und 15 Uhr willkommen, Anmeldung unter 53 07 13 33. Dialoge mit Zeitzeugen zu Themen wie "Ham’se noch Altpapier?" und "Ich war Punk" gibt es auf Nachfrage, Informationen auch unter www.alice-museum-fuer-kinder.de.

Ralf Drescher / RD
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