Nach tödlichem Unfall auf Partyschiff: SPD will Saufgelage verbieten

Mitte. Die SPD-Fraktion will die Partyexzesse in Mitte eindämmen und diskutiert, was man gegen die Saufgelage machen kann. Partys auf der Spree in gecharterten Booten, die Pubcrawls genannten Kneipentouren ganzer Horden von Partytouristen oder grölende Gruppen auf Bier-Bikes, wie die Strampeltheken heißen: Nach dem tödlichen Unfall auf einem Partyschiff will Stefan Draeger von der SPD-Fraktion, "eine Diskussion über das Thema anstoßen".

Am 24. August war ein 30-jähriger Mann aus bisher unbekannten Gründen nahe des Hauptbahnhofs am Kapelle-Ufer über Bord gegangen und ertrunken. Auf dem gemieteten Fahrgastschiff hatten rund 200 kostümierte Gäste einen Geburtstag gefeiert. Ob der Mann im Zorro-Kostüm betrunken war, ist noch offen. Das Obduktionsergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Draeger ärgert schon länger der Sauftourismus vor allem in der Innenstadt. Bis vor drei Jahren hat er noch am Hackeschen Markt gewohnt, wo betrunkene Touristen die ganze Nacht herumtorkeln und Lärm verursachen. "Viele kommen nach Berlin, um zu saufen", ist der SPD-Mann überzeugt.

Beispiel Ballermann

Während spanische Politiker auf Mallorca gegen die berüchtigte Saufmeile um den Ballermann am Playa de Palma vorgehen, "passiert bei uns genau das Gegenteil", so Draeger. Wie der Spiegel berichtet, will Palmas Vize-Bürgermeister Álvaro Gijón den Partystrand in eine Luxuspromenade verwandeln und Partytouristen abschrecken.

CDU-Fraktionschef Thorsten Reschke findet die exzessiven Saufgelage ebenfalls "nicht gut und gefährlich, wenn Besoffene vom Bier-Bike auf die Motorhaube fallen". Das tragische Schiffsunglück will er als Einzelfall jedoch nicht überbewerten und "jetzt nicht die große Verbotskelle rausholen". Über das Thema zu diskutieren sei das eine, was man dagegen machen kann, das andere, so Reschke. Denn der Bezirk kann rechtlich nicht gegen Pubcrawls oder Partyboote vorgehen, "weil wir da rein gar nichts zu genehmigen haben".


Dirk Jericho / DJ
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