Bausenator Müller überreicht 5000 Euro zur Beseitigung

Bausenator Michael Müller überreicht einen Scheck an Rita "Lala" Süsskind und Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg. (Foto: KEN)

Moabit. Den Bildnissen von Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) und Anita Augspurg (1857-1943) sind die Augen ausgekratzt. Eine der beiden Informationsstelen zur Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation und ihrer Protagonisten ist verbogen.

Im April wurde eine der Stelen am Magnus-Hirschfeld-Ufer mutwillig beschädigt. "Wir haben in den vergangenen Monaten nach Möglichkeiten gesucht, wie die Reparatur dieser Tafeln erfolgen kann. Wir sind sehr froh, dass Senator Michael Müller (SPD) und seine Verwaltung in der Lage sind, dafür Gelder zur Verfügung zu stellen", so Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Berlin-Brandenburg.

Am 8. Oktober hat der Bausenator symbolisch 5000 Euro übergeben. "Ausgrenzung, Diskriminierung, Homophopie haben in unserer Gesellschaft immer noch Raum", bedauert Michael Müller. "Wir alle können am Arbeitsplatz, in der Familie und im Freundeskreis bei blöden Witzen und Bemerkungen bis hin zu konkreten Ausschreitungen Gesicht zeigen." Man müsse dafür weder lesbisch noch schwul sein, ergänzt der LSVD-Geschäftsführer. Es genüge ein Verständnis für eine offene Gesellschaft.

Jörg Steinert verwies darauf, dass sich in diesem Jahr die Sachbeschädigungen an Erinnerungsorten häuften. Unter anderem sind die Gedenktafel für die schwulen Opfer des Nationalsozialismus am U-Bahnhof Nollendorfplatz, die Ausstellung zu Karl Heinrich Ulrichs im Rathaus Schöneberg oder die Sichtscheibe des Denkmals im Tiergarten Ziele von Attacken geworden.

Die Tafeln, die demnächst repariert werden sollen, waren 2011 auf Initiative des LSVD von der Kultursenatsverwaltung an der Spreeuferpromenade errichtet worden. Sie erinnern an die weltweit erste Organisation für Homosexuelle von Homosexuellen. Der Uferweg ist seit 2008 nach Magnus Hirschfeld (1868-1935), dem Initiator und maßgeblichen Vertreter der Emanzipationsbewegung, benannt. Sein Institut für Sexualwissenschaft stand seit 1919 auf dem Gelände zwischen dem heutigen Bundeskanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt.

Von dort aus nahm Hirschfeld Einfluss auf die Abschaffung des berüchtigten Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches. 1929 beschloss der Strafrechtsausschuss des Reichstages schließlich, homosexuelle Handlungen nicht mehr unter Strafe zu stellen. Doch zur Abschaffung des Paragrafen kam es nicht mehr.

Nach Hitlers Machtübernahme plünderten Studenten und SA-Männer das Institut für Sexualwissenschaft. Zahlreiche Schriften sowie eine Büste von Magnus Hirschfeld wurden bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz im Mai 1933 vernichtet. Hirschfeld wurde ausgebürgert und starb 1935 im französischen Exil.


Karen Noetzel / KEN
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