Historische Gebäude bekommen neuen Sinn

Neukölln. In die altehrwürdigen Gebäude der Kindl Brauerei zieht neues Leben ein. Die roten Baksteingebäude am Rollberg sollen ein Zentrum für zeitgenössische Kunst werden.

In der 20 Meter hohen Halle des ehemaligen Kesselhauses dreht sich seit dem 13. September ein Flugzeug im Wind von zwei überdimensionalen Ventilatoren. Vier Meter über den Köpfen der Besucher hängt die einmotorigen Maschine kopfüber in den Raum hinunter. Mit dem "Kitfox Experimental" zeigt das neue Kunstzentrum die erste Ausstellung des Schweizer Künstlers Roman Signer.

Die großen Gebäude erinnern an die Zeit, in der aus dem kleinen Dorf Rixdorf die Stadt Neukölln wurde. Die Berliner trällerten damals den Gassenhauer "In Rixdorf gibt’s Musike" vor sich hin und zogen in ihrer Freizeit in die Amüsiermeile von Rixdorf mit vielen Unterhaltungsmöglichkeiten. Das Bild von Rixdorf als Party-Meile der Berliner wurde geprägt. In dieser Zeit gründeten Rixdorfer Gastwirte und Kaufleute 1872 die "Vereinsbrauerei Berliner Gastwirte in Rixdorf" in der Hermannstraße 214 direkt am Rollberg. Das Gebäude wurde am 1. März 1873 eröffnet, wenige Tage später am 17. März 1873 floss das erste Bier in Strömen. 1910 wurde daraus schließlich aus der Vereinsbrauerei die Kindl Brauerei. Seit 1907 ist der Goldjunge mit dem Bierkrug das Wappenzeichen. Nach vielen Wirren durch zwei große Kriege und die Nachkriegszeiten wurde bis in die Anfangsjahre des 21. Jahrhunderts am Rollberg Bier gebraut, bis vor 10 Jahren die Produktion nach Weißensee verlagert und die Brauerei geschlossen wurde.

Es gab schon einen Versuch, eine Galerie im alten Kesselhaus einzurichten. Doch das war nur ein kurzes Zwischenspiel. Nun soll wirklich Kunst und Kultur auf den Rollberg kommen. An den Wänden des 20 Meter hohen Turms ist viel Platz für Bilder. Doch es soll zum Markenzeichen des neuen Zentrums für zeitgenössische Kunst gehören, dass immer nur ein Kunstobjekt ausgestellt wird.

Der Kurator Andreas Fiedler hat viel für die Zukunft geplant. Unter dem Namen "Kindl - Zentrum für Zeitgenossische Kunst" will das Schweizer Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard als Egentümer die Kunstszene in Neukölln beleben. Der Anfang wurde jetzt mit der sicherlich waghalsigen Installation von Roman Signer gemacht. Im Frühjahr wird im ehemaligen Sudhaus, das aus den Jahren 1926 bis 1930 stammt, ein Café eingerichtet. Zwischen den sechs größten Sudpfannen Europas können die Besucher im nächsten Jahr bei Kaffee und Kuchen nicht nur über Kunst und Künstler diskutieren. 5500 Quadratmeter Raum sollen im nächsten Jahr für Ausstellungen, Ateliers, Veranstaltungen und ein Café zur Verfügung stehen. Im Sommer wird dann noch ein Biergarten vor dem Gebäude folgen. Die ehemalige Brauerei soll zu einem lebendigen Ort im kulturellen Leben von Neukölln werden.

Das KINDL-Kesselhaus ist donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr und sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.


Klaus Tessmann / KT
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