Kein in Watte packen: Verein „Morus 14“ sucht Schülerhelfer im Rollbergviertel

Gilles Duhem ist seit Jahren ein zuverlässiger und gradliniger Ansprechpartner im Rollbergviertel. (Foto: Schilp)
Berlin: Gemeinschaftshaus Förderverein Morus 14 |

Neukölln. Seit mehr als zehn Jahren läuft das Schülerhelfer-Projekt des Vereins „Morus 14“ in der Rollbergsiedlung – eine vorbildliche und oft ausgezeichnete Initiative. Die Warteschlange ist lang, es werden dringend neue Ehrenamtliche gesucht. Und es geht um viel mehr als nur um Nachhilfeunterricht.

Viele Familien im Rollbergviertel sind in dritter Generation arbeitslos, der Anteil von Menschen türkischer und arabischer Herkunft ist groß. „Aber wir sind kein Migrantenprojekt. Die Schnittstelle ist nicht Herkunft oder Religion, sondern es geht um Eltern, die eklatant dabei scheitern, ihre Kinder auf dem Bildungsweg zu begleiten“, sagt Gilles Duhem, Leiter des Vereins.

Eine ganz große und grundsätzliche Schwierigkeit sei mangelnde Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Einzig aus diesem Grund seien auch schon Schülerhelfer abgesprungen: Das Kind kommt nicht, Termine werden „vergessen“ oder nicht rechtzeitig abgesagt. Duhem und seine Mitarbeiter verwenden viel Energie darauf, das zu ändern. „Wenn unsere Schüler sich auch nur um drei Minuten verspäten, rufen wir an, da schwingen wir die Peitsche.“

Auch die Erwachsenen müssten lernen, die Termine ihrer Kinder ernst zu nehmen. Alles sei verhandelbar, Zeit jedoch nicht. Inzwischen habe sich die strenge Linie herumgesprochen, es laufe besser als vor ein paar Jahren. Auch in anderer Hinsicht verfolgt Duhem einen konsequenten Kurs: kein in Watte packen, keine falsche Toleranz, kein Akzeptieren von Schuldzuweisungen.

„Ich hatte da einen Jugendlichen mit einer fetten Fünf in Mathe. Er sagte, sein Lehrer möge ihn nicht, weil er Araber sei. Ich sagte ihm: Du warst grundfaul und hast dich nicht konzentriert. Dann habe ich ihm das Handy abgenommen, von dem er sich ständig ablenken ließ.“ Nächste Arbeit: sehr gut.

So barsch geht es aber nur zu, wenn es wirklich nötig ist. „Ansonsten haben die Kinder sehr viel Freiheit bei uns. Sie wissen, sie können alles fragen und bekommen Antworten.“ Sie treffen sich in der Regel einmal die Woche eineinhalb Stunden lang mit ihren Mentoren und werden von ihnen beim Lesen, Schreiben, Rechnen und in anderen Fächern unterstützt. Aber auch Ausflüge, Spiele und Spaß sind an der Tagesordnung.

„Wir wollen ihnen eine Gebrauchsanweisung zum Leben geben“, sagt Duhem. Er erzählt von einem 12-jährigen Mädchen, das noch nie in ihrem Leben U-Bahn gefahren war, und von einem Jungen, der keine Ahnung hatte, wo die Türkei liegt, obwohl er schon zehn Mal dort war.

Oder das Kind, das mit dem Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ überhaupt nichts anfangen konnte. „Wir wollen, dass die Kinder lernen, sich in der Welt und im ganz normalen Alltag zurechtfinden“, so Gilles Duhem.

Voraussetzung für Helfer

Momentan warten rund 40 Kinder und Jugendliche aus dem Rollbergviertel auf einen Schülerhelfer. Wer sich engagieren möchte, sollte einmal in der Woche am Nachmittag Zeit haben und mindestens ein Schuljahr lang am Ball bleiben.

Das Alter ist vollkommen egal: Willkommen sind Studenten genauso wie Ruheständler. Und jeder darf sich aussuchen, ob er einen Jungen oder ein Mädchen begleiten will und wie alt das Kind sein soll. Die Treffen finden in Räumen in unmittelbarer Nähe des Vereins statt, der seinen Sitz in der Morusstraße 14 hat. Wer Interesse hat – ein Anruf unter  68 08 61 10 genügt. sus
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