Pankow richtet acht Schutzräume für Demenzkranke ein

Die Pflegedirektorin der Caritas-Klinik Maria Heimsuchung, Ilona Hanusche, Matthias Köhne und Bernhard Kufka unterzeichneten den Kooperationsvertrag. (Foto: BW)

Pankow. Ab sofort gibt es im Bezirk Schutzräume für Menschen mit Demenz. Wenn Menschen von der Polizei angetroffen werden, die verwirrt und orientierungslos sind, werden sie bisher zu einer Polizeiwache gebracht. Die Polizei beginnt dann, in zeitaufwendigen Recherchen die Identität der Person zu ermitteln. Das braucht Zeit, die die betreffende Person auf der Polizeiwache bleiben muss.

Allerdings stehen auf den Wachen weder geeignete Räume noch Personal zur Verfügung, um die an Demenz erkrankten Menschen in geeigneter Form zu betreuen. Deshalb entstand 2011 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Idee, einen Schutzraum für Menschen mit Demenz einzurichten. Nach und nach entstanden auch in anderen Bezirken solche Räume. So auch im Bereich der Polizeidirektion 5 in Neukölln, die Bernhard Kufka mehrere Jahre leitete.

Als er vor einigen Monaten die Leitung der Polizeidirektion 1 übernahm, brachte er diese Idee mit. Er regte seine Mitarbeiter an, solch einen Schutzraum auch in Pankow einzurichten. Mit diesem Vorschlag rannte die Polizei im Bezirk offene Türen ein. Hier gibt es seit 2001 den Qualitätsverbund Netzwerk im Alter (QVNIA). In diesem sind Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Seniorenheime, niedergelassene Ärzte und andere Fachleute Mitglied.

Dass das in Pankow wichtig ist, macht Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) deutlich. "Zurzeit leben etwa 14 000 Menschen im Alter über 80 Jahre in Pankow. Diese Zahl wird sich schon bald verdoppelt haben", so Köhne. "Damit ist abzusehen, dass auch die Zahl der an Demenz Erkrankten weiter zunimmt."

Laut Katja Dierich, Koordinatorin des QVNIA, leben zurzeit im Bezirk knapp 4000 Menschen mit Demenz. "Jährlich kommen über 500 Neuerkrankungen hinzu." Etwa ein Drittel der an Demenz erkrankten Pankower lebt in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Die anderen werden daheim von Angehörigen versorgt. Vor allem in der Anfangsphase der Krankheit kommt es vor, dass Betroffene orientierungslos auf der Straße umherirren. Das gehört zum Krankheitsbild, wissen die Fachleute. Wenn diese verwirrten Menschen von Passanten angetroffen werden, rufen diese in der Regel die Polizei.

"Die Polizisten setzen sich ab sofort mit dem nächstgelegenen Schutzraum in Verbindung", so Katja Dierich. Im Schutzraum werden die Gäste dann von Fachleuten betreut. Während die Polizei mit ihren Recherchen zur Person beginnt, versuchen auch die Fachleute mehr über die Identität und die Lebensumstände des Betroffenen herauszufinden. Ist Näheres ermittelt, werden die Personen an Familienangehörige oder ihre Betreuer übergeben. All diese Schritte werden natürlich dokumentiert.

Insgesamt sechs Mitglieder des QVNIA erklärten sich bereit, ehrenamtlich Schutzräume einzurichten. Die Seniorenstiftung Prenzlauer Berg und die Albert-Schweitzer-Stiftung stellen jeweils zwei Räume bereit. Jeweils einen stellen die Pflegewerk Senioren Centrum gGmbH, das St. Elisabeth Stift, das Unionhilfswerk und die Fürsorge im Alter/Seniorenresidenz Haus Pankow bereit.

Diese Anbieter und das Bezirksamt sowie die Polizeidirektion 1 unterzeichneten vor wenigen Tagen eine Kooperationsvereinbarung. Des Weiteren erhielten die Anbieter ein Qualitätszertifikat als offizielle Schutzraum-Betreiber. Bernhard Kufka: "In anderen Bezirken läuft das Projekt über Amtshilfeersuchen. Pankow ist der erste Bezirk in dem es eine richtige Kooperationsvereinbarung und eine ungeheure Dichte von acht Schutzräumen für Menschen mit Demenz gibt."


Bernd Wähner / BW
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