Neues Quartier für Fledermäuse in „Kita Tausendfüßler“

Große Ohren und ein behaarter Körper: So sollen die neuen Nachbarn aussehen. (Foto: Schilp)

Rudow. Die Knirpse der „Kita Tausendfüßler“ am Neudecker Weg 84 können bald neue Bewohner in ihrem Garten begrüßen. Am 12. Februar bekamen sie zwei Fledermauskästen geschenkt. Die hängen nun neben ihren Spielgeräten an Platanen.

Das ist noch nicht alles: Die Mädchen und Jungen freuten sich über Luftballons, Fledermaus-Malbücher und Ansteckbuttons; für die Eltern gab es Informationsblätter über die nachtaktiven Flugkünstler. Das Ganze ist der Aktion „Fledermäuse im Kiez“ zu verdanken, zu der sich die Stiftung Naturschutz und „denn's Biomarkt“ zusammengetan haben.

Seit einem Jahr bittet der Markt seine Kunden, ihre Pfandbons für Fledermausquartiere zu spenden und Vorschläge für Standorte zu machen. Mit großem Erfolg: Inzwischen sind rund 10 000 Euro zusammengekommen. Weil ein etwa 20x30 Zentimeter großer Kasten nur um die 30 Euro kostet, können also jede Menge Behausungen für die Tiere geschaffen werden. „Organisation und Personal stellen wir selbst“, so Jenny Rook vom Biomarkt.

Berlin habe die größte Fledermauspopulation unter allen mitteleuropäischen Millionenstädten, doch durch Gebäudesanierungen würden viele Quartiere zerstört, sagte sie zu den Gründen, etwas für die segelnden Säugetiere zu tun.

Sofort wird aber keines von ihnen in die neuen Kästen einziehen – noch halten sie Winterschlaf. Im März oder April könnte es dann soweit sein. „Achtet darauf, ob ihr kleine schwarze Kugeln unter den Bäumen findet, das sind die Kötel“, erklärte sie den interessiert lauschenden Kindern. Für etliche der kleinen Rudower sind die Tiere aber keine Unbekannten; viele wohnen in Einfamilienhäusern und haben im Garten schon einmal die ein oder andere Fledermaus gesehen.

Und sie finden sie gut. Das hat sogar Holger Wonneberg, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, ein wenig überrascht. „Fledermäuse sind bei den Kindern angesagt und Sympathieträger. Viele haben schon welche beobachtet“, sagte er.

Nicole Starik begleitet das Projekt ehrenamtlich. Sie ist Spezialistin: Die Biologin schreibt gerade an der Humboldt-Universität ihre Doktorarbeit über Fledermäuse in Brandenburg. Und sie wusste Erstaunliches zu erzählen. In Berlin lebten 17 unterschiedliche Arten der tierischen Nachtschwärmer. Nach der Winterpause trennten sich die Geschlechter: „Die Männchen machen dann ihr Ding, die Weibchen tun sich zu sogenannten Wochenstuben zusammen.“ Und sie liebten es kuschelig. In einen Kasten würden 20 Tiere oder mehr einziehen; manche schliefen gerne Bauch an Bauch, manche Rücken an Bauch – und natürlich immer kopfüber.

Und die Tiere sind nützlich, denn ihr Appetit auf Insekten ist groß. „Eines von ihnen kann in einer Nacht locker um die 2000 Mücken vertilgen; es frisst bis zur Hälfte seines eigenen Körpergewichts“, sagt Starik. Für die kleinste, die Zwergfledermaus, bleibt das trotzdem eine Mini-Mahlzeit: Sie selbst bringt gerade einmal fünf Gramm auf die Waage. sus
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