Schmökern auf dem Samtsofa: Elterninitiative sorgt für Schulbibliothek

Die Jugendliteratur-AG des Siemens-Gymnasiums trifft sich zum Schmökern und Diskutieren in der neuen Bibliothek. (Foto: Berit Müller)
 
Zu den Öffnungszeiten steht die Schulbibliothek allen Mädchen und Jungen des Gymnasiums offen. (Foto: Berit Müller)
Berlin: Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium |

Siemensstadt. Die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier ist natürlich der Renner, aber auch eine Auswahl an Klassikern und Krimis wartet jetzt auf die Bücherfreunde am Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium. Spandaus Ganztagsschule hat nun eine eigene Bibliothek.

Die einen hocken auf dem roten Samtsofa, die anderen fläzen sich beim Lesen bäuchlings auf gemütliche Liegekissen – die Mädchen und Jungen der Jugendliteratur-AG am Siemens-Gymnasium finden ihre neue Schulbibliothek super. Dort können sie endlich gemeinsam schmökern und im Anschluss ausgiebig über die Bücher diskutieren. Doch nicht nur dem Lese-Club, allen 560 Mädchen und Jungen der Ganztagsschule am Jungfernheideweg 79 steht die hauseigene Bücherei offen.

Das strenge Ambiente manch herkömmlicher Schulbibliothek fehlt im Lesezimmer des Siemens-Gymnasiums völlig. Dafür sorgen Regale aus hellem Holz, eine große Fensterfront, Teppiche, das Sofa samt Kissen. An der Pinnwand klebt eine Weltkarte, ein Schachspiel thront auf dem Couchtischchen, zwei Mäusemaskottchen namens Carla und Friedrich „wachen“ über den Raum. Die jungen Besucher sind nicht zum Stillsein verdonnert, und selbst die nervende Suche nach einem Wunschtitel entfällt. In Stunden freiwilliger Arbeit haben Lehrer und Eltern den teils neu erworbenen, teils gespendeten Bestand sortiert und etikettiert, Kärtchen gebastelt und mit Rubriken versehen: Wissen, Deutsche Literatur, Krimi, Märchen, Liebe, Humor oder Öko-Thriller. So werden die Leseratten schnell fündig.

Für Roswitha Stephan-Glitzner, Vorsitzende der Elterninitiative am Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium, war die Schulbibliothek schon lange ein Herzenswusch. Doch wie so oft haperte es am Geld. Dann kam ihr die Idee, einfach mal beim Bezirksamt anzuklopfen und um Hilfe zu bitten. 3000 Euro aus dem Ehrenamts-Topf gab es schließlich für Bücher und Mobiliar. „Es ist ja noch keine Hürde, einen Antrag zu stellen“, erzählt Roswitha Stephan-Glitzner. „Das Geld zu bekommen, war schon schwieriger. Und dann braucht man auch noch Mitstreiter. Ich war aber überrascht, wie viele Eltern und Lehrer hier geholfen haben.“

Rund 40.000 Euro stehen dem Bezirk pro Jahr zur Verfügung, um Ehrenamts-Projekte zu unterstützen. „An Engagement mangelt es überhaupt nicht in unserem Bezirk“, sagt Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD), der die kleine Einweihungsfeier des Lesezimmers im Siemens-Gymnasium besucht hat. „Aber oft stoßen Projekte an Grenzen, wenn Kosten damit verbunden sind. Genau dafür sind die Ehrenamtsmittel da.“

Schulleiterin Claudia Kremer will das freiwillige Engagement so wenig missen, wie ihre Schützlinge die neue Bibliothek. „Mein großer Dank gilt der Elterninitiative. Das Angebot ergänzt wunderbar unseren Ganztagsbetrieb.“ Auch Schulstadtrat Gerhard Hanke (CDU) ließ es sich nicht nehmen, das fertig ausgestattete Bücherzimmer zu begutachten, und er brachte sogar eine gute Nachricht für den Fall mit, dass die rund 600 Biografien und Bestseller, Lexika und Lehrbücher einmal komplett durchgelesen sind: „Melden Sie sich unbedingt, wenn der Bestand erweitert werden muss. Sie haben uns jetzt schon im Boot.“ bm
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