Willkommensbündnis fordert Schließung der Turnhallen als Flüchtlingsunterkünfte

Steglitz. Seit mehr als einem Jahr müssen Geflüchtete in Turnhallen leben. Was als Provisorium gedacht war, ist inzwischen zu einem unhaltbaren Dauerzustand geworden.

Das bezirkliche Willkommensbündnis für Flüchtlinge fordert deshalb die Schließung der Hallen und stattdessen die Einrichtung von Unterkünften in leerstehenden Gebäuden. Mit seinen Forderungen schließt sich das Bündnis einem offenen Brief an, den Berliner Willkommensinitiativen und Privatpersonen unter anderem an den Regierenden Bürgermeister und an Sozialsenator Mario Czaja geschrieben haben.

Geschildert werden die katastrophalen Zustände in den Hallen. So würden das monatelange Leben in der Turnhalle ohne Privatsphäre, unter Dauerlärm und ohne Aussicht auf ein Ende oft zu Resignation, Aggression bis hin zu Depressionen führen. „Wenn Menschen mehr als ein Jahr nicht gut schlafen, nicht selbst kochen, nicht in Ruhe lernen und leben können, ist es kein Wunder, wenn die Situation eskaliert“, heißt es in dem Brief. Unter anderem wird berichtet, dass Frauen wenige Tage nach der Geburt ihrer Kinder wieder zurück in die Turnhallen müssen – ohne Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe für die Säuglinge.

In Bezirk sind es immer noch sechs Hallen, in denen die Menschen in den beschriebenen Zuständen leben müssen.

Neben der Schließung der Hallen fordert das Willkommensbündnis, die geplante Errichtung von weiteren Tempohomes zu überdenken. „Deren Betrieb ist ohnehin nur für drei Jahre vorgesehen, und die Baumaßnahmen ziehen sich viel zu lange hin“, merkt Günter Schulze vom Bündnis an. Stattdessen könnten die dafür vorgesehenen Millionenbeträge auch in den Umbau von leerstehenden Gebäuden investiert werden, die sich für die Unterbringung von Geflüchteten anbieten. Schulze nennt als Beispiel die Gebäude an der Thielallee. „Im April hatte Sozialsenator Czaja angekündigt, hier eine sogenannte Erstaufnahmeeinrichtung plus zu errichten. In den vergangenen acht Monaten hätte das Vorhaben verwirklicht werden können, so Schulze. Stattdessen sei es sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. KaR
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