Kleiner Vogel – großer Star: neues Wandbild in der Neheimer Straße

Collin van der Sluijs und Super A vor ihrem Kunstwerk an der Neheimer Straße. (Foto: Berit Müller)
 
In der Neheimer Straße ist im März ein 42 Meter hohes Wandbild entstanden. (Foto: Berit Müller)
Berlin: Tegel |

Tegel. Ein kleines Tier kommt ganz groß raus: 42 Meter hoch ist das Bildnis eines in natura zierlichen Vogels, das jetzt die gesamte Rückwand der Neheimer Straße 6 schmückt. Es zeigt einen Star.

Er misst höchstens 20 Zentimeter, trägt ein schlichtes schwarzes Federkleid und ärgert Laubenpieper, wenn er im Sommer scharenweise Kirschen klaut. Ansonsten ist der Star ein eher unscheinbarer Vogel. „Doch nur auf den ersten Blick“, protestiert Collin van der Sluijs. „Wenn die Sonne auf sein Gefieder fällt, schimmert es in tausend Facetten. Das hat etwas Magisches. Man sollte nicht nach dem ersten Eindruck urteilen.“

Urban Nation verbindet

In der Neheimer Straße 6 in Tegel haben die beiden niederländischen Künstler Collin van der Sluijs und Super A jetzt einen Star verewigt – in Form eines hauswandhohen Kunstwerks. Das Bild ist im Auftrag des Künstlernetzwerks Urban Nation entstanden, einer Initiative der Stiftung Berliner Leben. Die hat das städtische Wohnungsunternehmen Gewobag im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Mit Urban Nation bringt die Stiftung Künstler und Nachbarschaften zusammen. Ziel ist es, die Stadt zu verschönern. Dafür lädt das Netzwerk regelmäßig Kreative nach Berlin ein, die dann eine Hauswand frei nach ihrer Vision bemalen können.

Mit Collin van der Sluijs und Super A fiel die Wahl auf zwei junge Künstler mit Erfahrung. Die beiden Streetart-Spezialisten stammen aus der niederländischen Kleinstadt Goes. Als junge Talente haben sie sich im Alter von zwölf Jahren kennengelernt, gemeinsam Kunstschulen besucht und inzwischen schon oft miteinander gearbeitet. Ihre großformatigen Wandbilder sind in Belgien, Norwegen, Luxemburg und Chicago zu bewundern – und nun auch in Tegel, wo ihr 42 Meter hoher Star den Schnabel gen Himmel reckt, als wolle er die Flugzeuge grüßen. Oder seine Artgenossen, von denen er sich nicht bloß in der Größe unterscheidet: Während Kopf und Gefieder fast fotorealistisch wirken, scheint das Tier der beiden Holländer eine außerirdische Pflanzenwelt verschluckt zu haben. Der Bauch des Kunstvogels quillt nahezu über vor üppigen, bizarr geformten Blüten, Beeren, Blättern. So bunt und vielfältig wie ihr Star sei schließlich auch Berlin, sagen die beiden Künstler.

Kritische Passanten

Jedes neue Detail, das Collin van der Sluijs und Super A auf die Tegeler Hauswand sprayten oder malten, beäugten Anwohner und Passanten kritisch. „Am Anfang war da ja nur ein riesiger schwarzer Schatten“, erzählt Super A. „Wir fangen immer mit dem Umriss an. Der wirkte natürlich etwas düster und stieß auf wenig Begeisterung.“ Als peu à peu die Fantasiepflanzen im Vogelleib wuchsen und das Gefieder sein magisches Schillern annahm, legten sich die Zweifel. „Inzwischen kommen immer wieder Leute und sagen uns, wie gut ihnen das Bild gefällt.“

„One Wall“ (Eine Wand) nennt sich das Projekt von Urban Nation, das dem Tegeler Wohnviertel nun bereits den dritten Stadtschmuck beschert hat. Neben Collin van der Sluijs und Super A haben auch das Brüderpaar HOWNOSM und der Künstler Fintan Magee in der Neheimer Straße eine hauswandhohe Visitenkarte hinterlassen. bm

Informationen über Netzwerk und Stiftung gibt es unter www.urban-nation.net und www.stiftung-berliner-leben.de.
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