Bezirk will Bewohner vor Luxussanierungen und Verdrängung schützen

Wedding. Wohnungen werden in Moabit und Wedding immer teurer. Alteingesessene können die Mieten oft nicht mehr bezahlen und werden verdrängt.

Schicke Altbauten, grüne Kieze, perfekte Lage. Immer mehr Hauseigentümer investieren in ihre Häuser, weil sich Besserverdiener auch hohe Mieten leisten können. Teilweise verlangen Vermieter in Wedding schon Nettokaltmieten von 16 Euro. Das führt zur Verdrängung der angestammten Kiezbewohner.

Die Landesweite Planungsgesellschaft (LPG) hat im Auftrag des Bezirks bei einem Grobscreening zwei Verdachtsgebiete ausgemacht, in denen das "Aufwertungspotenzial" besonders hoch ist. Und demzufolge auch die Wahrscheinlichkeit, dass sozial Schwache verdrängt werden. Bis Ende des Jahres lässt Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) jetzt detailliert die beiden Verdachtsgebiete in Moabit und Wedding-Zentrum rund um den Leopoldplatz untersuchen. Exakte Daten wie Einkommen, Beruf, Wohndauer und Informationen zur Wohnung werden bei Befragungen der rund 90.000 betroffenen Bewohner gesammelt. Bestätigt sich der Verdrängungsdruck, soll eine soziale Erhaltungsverordnung, Milieuschutz genannt, erlassen werden. Dieses Instrument aus dem Baugesetzbuch wenden derzeit vier Bezirke in insgesamt 21 Kiezen an. In Milieuschutzgebieten kann der Bezirk zum Beispiel Luxussanierungen verbieten. Details zum Milieuschutz definiert jeder Bezirk selbst. In den Milieuschutzkiezen Kollwitzplatz oder Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg verbietet das Bauamt zum Beispiel den Einbau von Fußbodenheizungen und Innenkaminen. In Friedrichshain-Kreuzberg dürfen Hauseigentümer keinen zweiten Balkon und keine Gästetoilette einbauen.

Die LPG-Experten haben insgesamt 41 Planungsräume untersucht. Neben den zwei Verdachtsgebieten stehen weitere Quartiere auf der Liste, die der Bezirk im Auge behalten will. Zu den Beobachtungsgebieten gehören Wohngebiete um die Soldiner Straße, Tiergarten-Süd und Mitte-Zentrum zwischen Oranienburger Straße und Invalidenstraße bis hin zum Rosa-Luxemburg-Platz. Auch dort zeigen die Indikatoren steigenden Sanierungsdruck und die Gefahr, dass die soziale Mischung zerbricht.


Dirk Jericho / DJ
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