Wachschutz im Rathaus: Stress im Sozialamt: Obdachlose und Asylsuchende reagieren immer aggressiver

Berlin: Rathaus Wedding |

Wedding. Das Bezirksamt schützt ab sofort seine Mitarbeiter im Sozialamt durch einen Sicherheitsdienst. Auf den Rathausfluren kommt es immer öfter zu Prügeleien.

Volle Flure mit vielen verzweifelten Menschen. Die Fachstelle für Obdachlosenhilfe muss immer mehr Obdachlose und Asylsuchende, die eine Unterkunft benötigen, betreuen. Nicht in jedem Fall können die Mitarbeiter helfen. Auch sind die etwa 20 Angestellten mit dem Ansturm hunderter Menschen völlig überfordert. Wenn die Hilfesuchenden lange warten müssen und sich ungerecht behandelt fühlen, gibt es immer öfter Stress im Rathaus. „Beleidigungen und Bedrohungen können wir nicht akzeptieren. In solchen Fällen werden wir umgehend die Polizei rufen und Ihnen Hausverbot erteilen“, steht in der neuen Hausordnung, die Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) in der zweiten Etage im Rathaus Wedding in den Sprachen Arabisch, Türkisch, Englisch, Französisch, Serbisch und Deutsch aufgehängt hat.

Auch wenn die Polizei schon jetzt alle zwei Wochen anrücken muss, um im Rathaus für Ordnung zu sorgen, will von Dassel seine Mitarbeiter noch besser schützen. „Da fliegt auch schon mal ein Locher durch die Gegend“, beschreibt der Stadtrat die angespannte Situation. 30 000 Euro gibt das Bezirksamt ab 1. Oktober jährlich für einen Wachschutz aus. Vorerst an den Sprechtagen sollen jeweils zwei Sicherheitsleute für Ruhe auf den Fluren sorgen. Die Wachschützer sprechen auch arabisch, wie von Dassel sagt. Er hofft, dass sie Streitereien schlichten können, bevor es zu Schlägereien kommt.

Im Sozialamt gab es auch früher schon Wachleute. Doch seit sich ab 2005 die Jobcenter um Arbeitslose kümmern, wurde der Sicherheitsdienst vor zehn Jahren abgeschafft. Weil es in der Obdachlosenstelle jetzt wegen der vielen Flüchtlinge so schwierig geworden ist, müssen wieder Wachschützer engagiert werden.

Von Dassel ist seit Wochen dabei, zusätzliche Unterkünfte zu organisieren. Zahlreiche Hostels und die 1500 legalen Ferienwohnungsvermieter werden angeschrieben, ob sie Obdachlose und Flüchtlinge aufnehmen können. Die Kosten übernimmt das Sozialamt. DJ
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