Kinderstadt auf dem Gelände der Hagenbeck-Schule

Ständig Betrieb herrscht an der "Bar 25", wo Yuri (9) unter anderem Wildfrüchtetee und Fruchtsirup mit Kirsche ausschenkt. (Foto: Kahle)

Weißensee. Man denkt sofort an Herbert Grönemeyers Lied "Kinder an die Macht", betritt man dieser Tage das Sportgelände der Hagenbeck-Schule in der Gustav-Adolf-Straße 60.

Aus Brettern zimmerten 27 Kinder, überwiegend aus Weißensee, in zweieinhalb Tagen ihre eigene Stadt. Sie heißt demzufolge "Holzhausen" und besteht aus dem "Hotel am Strand" mit Pool, der "Bar 25" mit Tresen, Bühne und Tanzfläche, der "Pigcat-Bank", sprich: "Schweinekatzen-Bank", einen "Apple-Store", einer Bäckerei und einem Forschungsinstitut, wo zum Beispiel eine mit Luftballon betriebene Nachrichtenrakete entwickelt wurde.

"Das haben wir uns alles selber ausgedacht", berichten die neun- bis elfjährigen Mädchen und Jungen ganz stolz. Sie haben auch entschieden, dass sie Spielgeld brauchen, um alle Angebote zu nutzen, und so führten sie die nicht konvertierbare Währung "Holzig" ein - gebastelt aus Spielkarten und fälschungssicher mit Silberpapierstreifen versehen. Ein Schild auf dem selbst gemalten Bankautomaten verweist darauf, dass dieser defekt ist. Geld gibt es nur am Schalter.

Demokratisch wurde entschieden: "Eine Polizei brachen wir nicht - Streife gehen, während die anderen spielen, ist einfach zu langweilig." Viel wichtiger sei ein Forschungsinstitut. So unkompliziert kann Demokratie sein, wenn Kinder an der Macht sind.

"Die Kinderstadt ist ein Konzept, bei dem die Kinder ganz praktisch Demokratie und Toleranz erlernen", betont Projektleiterin Nadine Hoff, die gemeinsam mit Viviane Schmitt für das Projekt verantwortlich zeichnete. Betreut wurden die Kinder von Sozialpädagogen und Erzieherpraktikanten.

Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr kamen die Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren vom 21. Juli bis 1. August. Im ersten Durchgang haben 27 Kinder teilgenommen. Per Abstimmung wurden am Morgen in der Kinderversammlung der Tagesablauf entschieden und die Aufgaben verteilt. Das reichte von Hüttenbau bis Essen kochen, baden bis sauber machen, von Sport und Spiel bis zum täglichen Betrieb der öffentlichen Einrichtungen der Kinderstadt. "Wichtig war uns auch der Kontakt mit Flüchtlingskindern im Bezirk", sagt Nadine Hoff. "Einige Kinder haben an unserem Projekt teilgenommen."

Kooperationspartner der Kinderstadt waren die Kinder- und Jungendfreizeiteinrichtung K14 aus Karow, die Jugendfreizeiteinrichtung Mahler 20 aus Weißensee und die Firma Kluwe, die 200 Paletten für den Hüttenbau spendierte. Finanziert wird das Projekt vom Aktionsplan Pankow im Rahmen des Bundesprojektes "Toleranz fördern - Kompetenz stärken".


Michael Kahle / m.k.
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